Die textile Kette – eine kleine Weltreise

Die textile Kette – eine kleine Weltreise
1. August 2020 Caroline
In Wissen
21 Min. Lesezeit

Bis ein Shirt bei uns im Schrank hängt, hat es meistens schon eine kleine Weltreise gemacht. Wo es überall vorbeikommt, haben wir uns deswegen im Rahmen der textilen Wertschöpfungskette einmal näher angesehen. Dabei verfolgen wir eine konventionelle Jeans und eine nachhaltige Jeans entlang der textilen Kette. 

Was bedeutet eigentlich die textile Kette?

 Ein Kleidungsstück durchläuft in seinem Leben verschiedenste Stationen und legt dabei eine beachtliche Strecke zurück. Ausgehend vom Anbau der Pflanze, der Weiterverarbeitung zu einem Stoff über den Moment, indem wir das Kleidungsstück wieder aussortieren und es anschließend zerschreddert, recycelt oder verbrannt wird. [2] Alle eben genannten Stationen ergeben zusammen die textile Kette. 

  1. Fasererzeugung (Agrarwirtschaft, Chemieindustrie)
  2. Textilerzeugung (Weben, Spinnen)
  3. Textilveredelung (Färben, Veredelung)
  4. Konfektionierung (Zuschneiden und Zusammennähen)
  5. Endprodukt (Verteilung durch den Handel, Gebrauch und Pflege im privaten Haushalt)
  6. Verwertung und Entsorgung [1] [2]

Im Folgenden möchten wir dir anhand unserer Karte aufzeigen, wie unterschiedlich die Reise einer konventionell hergestellten Jeans im Vergleich zu einer Fair Fashion Jeans ausschaut. Rot stellt dabei die Reise einer Fast Fashion Jeans dar, während grün die Schritte der Fair Fashion Jeans widerspiegelt. Im weiteren Verlauf des Artikels wird auf jeden Schritt nochmal im Detail eingegangen.

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Für die Reise unserer Jeans haben wir uns dabei auf unterschiedliche Stationen großer Hersteller berufen. Wichtig ist, dass die Reise unserer Jeans lediglich eine grobe Richtlinie darstellt und es nicht möglich war, alle Zulieferer wie bspw. für Knöpfe oder Reißverschlüsse in die Reise einzubeziehen. Dennoch gibt es dir ein gutes Gefühl, wie sehr sich die textile Wertschöpfungskette von konventionellen Textilien zu Fair Fashion Textilien unterscheidet.

Bevor wir aber damit starten, gibt es hier noch ein kurzes Video für dich. Caro hat ihre erste eigene Hose genäht und das Video soll dir einen Eindruck verschaffen, wie viel Aufwand alleine in der Konfektionierung bereits anfällt, damit am Ende eine Hose im Laden zum Kauf angeboten werden kann.

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… und das ist die fertige Hose 🙂

Culotte

Die Culotte hat zwei Seitentaschen und ist aus einem nach STANDARD 100 by OEKO-TEX® zertifizierten Stoff aus Viskose und Leinen genäht.

Was ihr in dem Video in etwas mehr als einer Minute seht, hat in Wirklichkeit gute zwei Tage gedauert. Dabei hatte Caro noch Hilfe von ihrer Mama, die sehr gut nähen kann und auch schon viel Erfahrung hat. Natürlich wären wir beim zweiten Mal schneller, weil der Schnitt und alles schon da wäre. Würden wir uns allerdings einen normalen Stundenlohn dafür zahlen, würde wahrscheinlich kein Mensch diese Hose kaufen.

Das Ergebnis ist aber mehr als zufriedenstellend und rechtfertigt die vielen Arbeitsstunden. Tatsächlich ist uns erst durch das Nähen einer eigenen Hose wirklich bewusst geworden, wie viele Schritte allein in der Konfektionierung notwendig sind, um ein Kleidungsstück herzustellen. Dabei handelt es sich hierbei ja lediglich um einen der vielen Schritte, die in der textilen Kette anfallen, um am Ende des Tages ein Kleidungsstück im Laden an der Kleiderstange hängen zu haben.

Fasererzeugung

In den 70er Jahren war es noch normal, dass in Deutschland Hanf und Flachs angebaut und anschließend zu Garn und Stoffen verarbeitet wurden. Damals wurden die Kleider auch noch hier geschneidert. Eine recht überschaubare und gut nachvollziehbare Entstehungsgeschichte der Textilien mit einer überschaubaren Anzahl an Produktionsschritten, die in der textilen Kette stattfinden.

Durch den Fast-Fashion Boom in den 90er und 2000er Jahren, wo jährlich 24 neue Kollektionen erscheinen, und damit wesentlich mehr Kleidung produziert wird, wurde die Textilproduktion in Billiglohnländer nach Asien verlegt. Warum? Dort müssen die Menschen für Hungerlöhne und unter den unwürdigsten Bedingungen arbeiten, und es ist ganz einfach günstiger als hier in Deutschland zu produzieren. Zudem spielt der Umweltschutz dort oft eine untergeordnete Rolle und Schadstoffe aus Färbereien und Gerbereinen können ungeschützt ins Grundwasser gelangen. [2] [3]

Das hat zur Folge, dass die einzelnen Produktionsschritte an unterschiedlichsten Orten durchgeführt werden und das Kleidungsstück riesige Distanzen zurücklegt. Eine unglaublich komplexe und intransparente textile Wertschöpfungskette ist das Ergebnis.

Fasererzeung bei einer konventionellen Jeans

Schauen wir also einmal, woher die Fasern von unserer konventionellen Jeans kommen. Der typisch blaue Denimstoff besteht aus Baumwolle.

Dafür reisen wir erst einmal nach Usbekistan, wo Baumwolle auf großen Plantagen angebaut wird. Die Baumwollpflanze wird mit viel Wasser versorgt, um den Ertrag zu maximieren. So viel Wasser, dass der einst viertgrößte Binnensee der Welt, der Aralsee in Kasachstan und Usbekistan, heute fast ausgetrocknet ist. [4]

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Zudem wird beim konventionellen Baumwollanbau mit umwelt- und gesundheitsschädlichen Maßnahmen zur Ertragssteigerung gearbeitet: genmanipuliertes Saatgut, Kunstdünger und Pestizide. Chemische Substanzen, mit denen die Bauern vor Ort unmittelbar in Kontakt treten und dadurch krank werden. Trotzdem wird hier unter diesen Umständen immer noch der Großteil der Baumwolle angebaut. Nachdem die Baumwolle geerntet wurde, verlässt sie Usbekistan auch schon.

Fasererzeugung bei einer Fair Fashion Jeans

Eine Alternative zu konventioneller Baumwolle ist Bio-Baumwolle.

Hier erfährst du alles über den Unterschied von Baumwolle und Bio-Baumwolle

Diese wird von nachhaltigen Labels auch bei der Herstellung von Jeans verwendet. Hierbei wird auf genmanipuliertes Saatgut, chemische Kunstdünger und den Einsatz von Pestiziden verzichtet. Auf Anfrage hat uns Nudie Jeans, einer der bekanntesten nachhaltigen Jeans Hersteller mitgeteilt, dass ihre gesamte Bio-Baumwolle für Denim aus der Türkei stammt.

Das Team von Armed Angels bezieht wiederum seine Bio-Baumwolle aus Indien und hat sogar „ihren“ Baumwollbauern in Indien besucht, um sich trotz Fairtrade Cotton Siegel vor Ort ein Bild zu machen.

Wir halten also nochmal kurz fest:

Die textile Kette unserer Fair Fashion Jeans beginnt in der Türkei. Dort wird die Baumwolle angebaut und von Hand geerntet. [5] Die Produktion unserer konventionellen Jeans beginnt mit der Baumwollpflanze in Usbekistan. 

Textilerzeugung: Weben / Spinnen

Die Textilerzeugung beinhaltet das Spinnen von Fasern zu Garn und die Weiterverarbeitung von Garn zu Stoff. Diese Weiterverarbeitung kann Prozesse wie Weben, Stricken, Häkeln, Wirken, Filzen, Flechten oder Knüpfen beinhalten. [6]

Textilerzeugung bei einer konventionellen Jeans

Die rohe Baumwolle gelangt von der Baumwollplantage in Ballen gepresst in die Baumwollspinnerei, die aber meistens nicht im gleichen Land ist. Machen wir einen kurzen Abstecher nach Afrika: Nur 3 % der hier angebauten Baumwolle wird auch hier weiterverarbeitet. [7] Zurück zu unserer frisch geernteten Baumwolle aus Usbekistan. Die Reise geht weiter zu unserer zweiten Station, einer Baumwollspinnerei in der Türkei. Hier wird die Baumwolle gekämmt und zu Garn gesponnen. [8] Anschließend wird das Garn zu Stoff verarbeitet, wofür wir noch einmal knapp 8000 km zurücklegen, denn aus der Türkei geht es weiter nach Taiwan, wo das Garn zu Stoffbahnen weiterverarbeitet wird. [9] [10]

Textilerzeugung bei einer Fair Fashion Jeans

Es geht auch anders: Denn Baumwollgarn gibt’s auch „Made in Germany“. Die Baumwollspinnerei Otto produziert seit über 100 Jahren Garne in Deutschland. Die deutsche Spinnerei ist GOTS, OEKO-TEX Standard 100, Fairtrade Cotton und IVN Best zertifiziert. Abnehmer des Garns ist u.a. die deutsche Marke Trigema, die ebenso für ihre Produktion in Deutschland bekannt ist. [11] [12]

 

Bei nachhaltigen Marken wie Nudiejeans wird der gesamte Produktionsprozess offengelegt. Das bedeutet, du kannst genau nachvollziehen, wo deine Jeans produziert worden ist. Das haben wir uns einmal näher angesehen und wie bereits erwähnt auch Kontakt mit dem Label aufgenommen. Solche Informationen finden wir bei anderen Jeansmarken kaum – Levi’s gibt geringfügig Einblicke in ein Werk in Polen – allerdings finden wir hier keinen Hinweis auf eine Zertifizierung von unseren vertrauenswürdigen Siegeln wie GOTS, Fair Wear, Fairtrade Cotton, OEKO-TEX Standard 100 oder Fairtrade Cotton. Lediglich die BCI – Better Cotton Initiative wird aufgeführt – warum das eine Augenwischerei ist, haben wir in einem anderen Artikel dazu genauer aufgeführt. Zurück also zur Nudie Jeans. Als Hauptproduktionsländer werden hier Tunesien und Italien angegeben – bei einem Blick in die Produktionspartner der direkten Produktionspartner von Nudie – etwas kompliziert, aber wenn ihr in der Grafik hier nachlest, versteht ihr bestimmt, was wir meinen. Unter „Subcontractors“ werden alle Beteiligten der Produktion aufgeschlüsselt. [13] [14] [15] Darauf gehen wir im weiteren Verlauf der textilen Kette noch im Detail ein.

Laut Nudie Jeans wird die Baumwolle aus der Türkei zur Verarbeitung für eine Jeans entweder nach Italien (48%), Tunesien (51%). Auf Anfrage wurde uns mitgeteilt, dass ein geringer Anteil auch in Japan produziert wird. [16] Wir daher davon aus, dass unsere Baumwolle die weite Reise nach Tunesien bestreitet, um dort gewebt und zu Stoff verarbeitet zu werden.

Textilveredelung

Der Stoff ist nach dem Weben noch lange nicht fertig. Baumwolle hat von Natur aus einen eher gelblichen Farbton, daher wird der Stoff meistens erst einmal mit Wasserstoffperoxyd oder Chlor gebleicht um einen weißen Grundton zur Weiterverarbeitung zu erhalten. Da Baumwolle eigentlich dazu tendiert, beim Waschen etwas einzulaufen und zu knittern, wird der Stoff zur leichteren Pflege mit Kunstharzen behandelt. Zur Stabilisierung wiederum wird der Stoff in einer Lauge aus Natrium und Ammoniak gebadet. Bleichen, veredeln, stabilisieren – bei jedem Vorgang werden neue Chemikalien eingesetzt, daher werden diese Produktionsschritte im Rahmen der textilen Kette gern in Länder mit geringen Umweltschutzauflagen ausgelagert.9

Textilveredelung bei einer konventionellen Jeans

Die typisch blaue Farbe erhält der Jeansstoff durch den Farbstoff „Indigo“. [17] Für die Verwendung muss der Farbstoff mit Chemikalien und Schwermetallen wie Quecksilber, Cadmium, Blei und Kupfer behandelt werden. [18]

Ein weiterer Chemikalien-Cocktail für unsere konventionelle Jeans, der alles andere als gesund ist.

Textilveredelung bei einer Fair Fashion Jeans

Um Wasser und Chemikalien einzusparen, greifen nachhaltige Hersteller auf die Färbung mit Stickstoff zurück. Durch die Zugabe kann der Farbstoff konzentriert werden und somit der Verbrauch von Wasser und Chemikalien gesenkt werden. 10

Wir werfen nochmal einen Blick auf die Produktion der nachhaltigen Nudie Jeans: Ein Zulieferer für den Denim Stoff ist Bossa Denim aus Tunesien. Die Fabrik ist mit dem GOTS 5.0 Siegel und dem OEKO-TEX Standard zertifiziert. GOTS zertifiziert dabei die folgenden Produktionsschritte: Weben, Veredelung, Färben, Spinnen, Messen und Handel. Auch ArmedAngels verzichtet auf giftige Chemikalien bei der Herstellung ihrer Jeans. So werden die Hosen nicht mit Chlor gebleicht und es werden lediglich GOTS-zertifizierte Chemikalien verwenden.[19]

Konfektionierung

Jetzt sind wir endlich an dem Produktionsschritt in der textilen Wertschöpfungskette angekommen, bei dem unsere Jeans aus Einzelteilen zusammengenäht wird. Gleichzeitig handelt es sich dabei auch um den Produktionsschritt mit dem höchsten Bedarf an Arbeitskräften Grund hierfür ist, dass das Zuschneiden und Nähen der Kleidung viel Handarbeit bedarf und in diesem Produktionsschritt lediglich ein geringer Automatisierungsgrad vorzufinden ist.[20]

Wo werden die meisten Jeans hergestellt?

Laut Statista war das wichtigste Importland für Jeans für Deutschland im Jahr 2019 mit Abstand Bangladesch. Importiert wurden 67,34 Millionen Stück, danach folgen Pakistan mit 36,6 Millionen Stück, die Türkei mit 24,88 Millionen Stück und China mit 13,85 Millionen Stück. [21]

Konfektionierung bei einer konventionellen Jeans

Wir gehen davon aus, dass unsere Jeans, so wie die meisten, schlussendlich aus Bangladesch kommt.

Hier werden die Stoffe zugeschnitten und zusammengenäht. Andere Kleidungsstücke wären hiermit schon am Ende ihrer Herstellungsreise und fertig für die Auslieferung nach Europa, nicht so unsere Lieblingshose. Da der Used Look stark im Trend ist, und wir die Hose nicht erst wochenlang eintragen möchten, bevor die trendigen Gebrauchsspuren zu sehen sind, werden diese Merkmale künstlich erzeugt. Unsere Hose wandert in eine Waschtrommel mit Bimssteinen, wird an Stellen wie den Oberschenkeln oder den Kniekehlen gebleicht und teilweise auch geschliffen. Manche Jeans werden sogar mit einem Sandstrahler behandelt. Gerade der Kontakt mit Bleichmitteln und dem Sandstrahler ist extrem gefährlich für die Arbeiter dort. Einige Organisationen setzen sich dafür ein, dass diese Praxis beendet wird. 11

 

Einige Brands werben mit Slogans wie „Made in Europe“ oder „Made in Spain“. Das bedeutet allerdings noch nicht, dass die Hose auch wirklich in diesem Land produziert worden ist. Es kann lediglich bedeutet, dass ein kleiner Teil der langen textilen Kette in diesem Land stattgefunden hat. Kirsten Clodius, Referentin de Kampagne für saubere Kleidung bei der christlichen Initative Romero, erläutert im Tagesspiegel ein Beispiel: Eine Bluse wird in Asien zusammengenäht, trägt aber den Hinweis „Made in Spain“, weil dort die Knöpfe angenäht wurden. [22]

Konfektionierung bei einer Fair Fashion Jeans

51 % der Nudie Jeans werden in Tunesien und zu 48% in Italien produziert. Produzent für die Jeans in Tunesien ist unter anderem die Denim Authority, welche seit 2018 GOTS zertifiziert ist. Weiterer Zulieferer für einzelne Bestandteile der Jeans ist das deutsche Unternehmen Berning & Söhne GmBH, die Nieten und Knöpfe liefern. Dazu kommt Officina3, die Leder und Jacron Labels für die Jeans herstellen. Nudie setzt, genauso wie ArmedAngels auf Labels auf die Lederalternative Jacron. Weitere Zulieferer findest du hier. Nudie Jeans schafft damit eine fast schon einzigartige Transparenz, da man wirklich jeden Zulieferer nachlesen kann. 14

ArmedAngels setzt bei der Produktion des angesagten Used Looks auf Lasertechniken, um Techniken wie Schleifen und Sandstrahlen nicht zu unterstützen. 20

Aber warum produzieren eigentlich so viele Textilkonzerne in Billiglohnländern?

Ein Grund sind natürlich die billigen Löhne und die teilweise nicht vorhandenen Umweltschutzbedingungen in diesen Ländern, die es ermöglichen bei uns T-Shirts für gerade einmal 5 € zu verkaufen und trotzdem noch etwas daran zu verdienen.

Die EU hat ein Projekt namens „Everything but arms“ ins Leben gerufen. Das soll die Wirtschaft in Entwicklungsländern fördern, indem es Importzölle erlässt. Bangladesch und Myanmar stehen beispielsweise auf der Liste der geförderten Länder. Dabei sparen sich Unternehmen im Vergleich zu anderen Produktionsländern wie Vietnam Zollgebühren von 12 %. [23]

Endprodukt

Geschafft, aus unserer Baumwolle, die wir im ersten Schritt der textilen Kette geerntet haben, ist nach zahlreichen Stationen ein fertiges Kleidungsstück entstanden, dass wir im Onlineshop oder in den Läden zahlreicher Modeunternehmen finden.

Unsere fertige Jeans aus konventioneller Herstellung

Fassen wir noch einmal kurz zusammen: Die Baumwolle unserer konventionellen Jeans ist in Usbekistan gewachsen, das Garn wurde in der Türkei hergestellt, für das Weben und die Veredelung des Stoffes sind wir nach Taiwan gereist. Zusammengeschneidert und mit einem fancy Used Look versehen wurde unsere Jeans schließlich in Bangladesch. Insgesamt hat unsere Jeans grob überschlagen eine Strecke von über 60.000 km zurückgelegt. Das entspricht einer Strecke von Deutschland nach Melbourne – und zwar viermal. [24] Jetzt liegt unsere Jeans endlich in den Geschäften und landet so auch in deinem Kleiderschrank. Leider meistens nicht so lange – neue Trends und ein hoher Verschleiß führen oft dazu, dass wir die Trendhose schnell wieder aussortieren. Eine interne Umfrage der Visual meta GmbH brachte interessante Kundeninformationen zum Kauf- und Trageverhalten von Jeans hervor, u.a. dass nur 7,3% ihre Jeans länger als acht Jahre tragen. 18 Wie lange trägt du deine Jeans im Schnitt, bis du dir eine neue zulegst?

 

Konfektionierung bei einer Fair Fashion Jeans

Unsere Fair Fashion Jeans am Beispiel der Nudie Jeans hingegen kann auf eine deutlich kürzere Strecke zurückblicken. Die Baumwolle wurde in der Türkei angebaut, geerntet und im Anschluss nach Tunesien geschickt. Hier wurde sie gewebt, veredelt und konfektioniert. Die einzelnen Arbeitsschritte wurden dabei von Zulieferern durchgeführt, die mit gängigen Textilisiegel wie GOTS oder OEKO-TEX zertifiziert sind, um hohe soziale und ökologische Standards zu gewährleisten.

Verwertung

 Wenn die Jeans dann im Altkleidercontainer landet, gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Eine konventionelle Jeans besteht meist nicht aus 100% Baumwolle, sondern wird mit Kunstfasern wie Nylon gemischt. Das macht die Jeans so flexibel und anpassungsfähig, was natürlich das Tragegefühl der Hose wesentlich verbessert. Der Nachteil daran ist, dass solche Mischfasern nicht wirklich recycelt werden können. Eine sortenreine Hose aus Baumwolle wäre z.B. biologisch abbaubar. Mud Jeans, ein nachhaltiges Label aus der Niederlande, hat es sich zum Ziel gemacht eine Jeans aus 100% recycelter Baumwolle zu produzieren. Zudem bieten sie ein interessantes Modell an: Anstatt eine neue Jeans zu kaufen, kannst du dir dort eine leasen. Damit kannst du dir jeweils nach einem Jahr ein neues Modell schicken lassen, die getragene Hose schickst du einfach zurück. [25]

So kannst du deine Jeans nachhaltig entsorgen:

  • Überlege erstmal noch, ob du ein Loch oder einen Riss nicht doch vielleicht nochmal stopfen bzw. reparieren lassen kann. Je länger du deine Jeans trägst, desto nachhaltiger ist es auch.
  • Statt sie gleich in die Altkleidersammlung zu geben, kannst du nochmal überlegen, ob du sie vielleicht nochmal über Kleiderkreisel verkaufst. Auch wenn du davon nicht reich wirst, freut sich vielleicht jemand anderes über eine günstige Hose und du verlängerst ihr Leben nochmal.
  • Versuche Jeans von nachhaltigen Marken zu kaufen, wie du sie auch bei uns finden kannst.
  • Wasche deine Jeans so wenig wie möglich, und wenn dann dreh sie auf links. Damit verminderst du den Abrieb auf der rechten Seite und die Farbe bleibt länger erhalten. Unangenehme Gerüche kannst du auch entfernen, indem du die Hose in die Gefriertruhe legst. Damit sparst du Wasser, Energie und deine Hose bleibt länger schön.[11]

Das Hamburger Label Bridge&Tunnel verwertet Denimreste und erschafft daraus neue Designs. Eine alte Jeans findet so in Form eines Kissens oder einer schicken Tasche ein neues Leben. Damit durchbrechen sie den üblichen Downcycling Kreislauf, sondern schaffen damit ein wahres Upcycling. Dabei sind sie nicht nur auf Denim spezialisiert – sie hauchen auch alten Werbeplanen oder alten Klamotten neues Leben ein.

Bei Nudie Jeans kannst du deine gebrauchte Hose zurückgeben und erhältst sogar noch einen Rabatt auf deine neue Jeans. Zudem versucht Nudie mit Repair Angeboten den Lebenszyklus einer Jeans zu verlängern und verwendet derzeit auch 98,8% nachhaltige Materialien. [26]

Quellen:

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