3 bewährte Tipps, wie du die Schadstoffe in deiner Kleidung deutlich reduzieren kannst

3 bewährte Tipps, wie du die Schadstoffe in deiner Kleidung deutlich reduzieren kannst
2. Mai 2020 Julian
In Wissen
10 Min. Lesezeit

3 Tipps, die Dir beim Kauf von Kleidung ohne Schadstoffe hilft

Im Folgenden möchten wir Dir 3 einfache Tipps an die Hand geben, mit denen Du, ohne jemals in Chemie aufgepasst haben zu müssen, garantiert umweltverträglicherer Textilien wählen kannst:

  1. Die Wahl der Faser ist entscheidend
    Versuche auf Mischfaser mit einem Polyester-Anteil zu verzichten, um zu verhindern, das Mikroplastik in unsere Gewässer gelangt.
  2. Vertraue auf Textilsiegel, die den Ansprüchen der Greenpeace Detox Kampagne bzw. der ZDHC entsprechen
    In unserem Textilsiegel Guide findest Du zu jedem Siegel die Kriterien mit Blick auf das Chemikalienmanagement
  3. Keine Spontankäufe – reduziere Deinen Konsum und mach Dir bewusst, wieso dieses Kleidungsstück wirklich benötigst
    Wie gesagt, belastet jedes Kleidungsstück unser Ökosystem – wir empfehlen daher einen bewussten Konsum von Textilien.

Kann Kleidung ohne die Verwendung von Chemikalien hergestellt werden?

Das Wichtigste vielleicht vorne weg: Textilien ohne den Einsatz von Chemikalien herzustellen, ist laut eines Experten des Bundesinstituts für Risikobewertung nicht möglich.[1]

Wasserabweisende Kleidung

Wasserabweisend, waschbar, jedes Jahr in neuen Farben: Unsere Ansprüche an bestimmte Kleidungsstücke machen den Einsatz von Chemikalien unabdingbar. 

Der Wunsch nach saisonalen Farben sowie bestimmten Eigenschaften, die wir heutzutage von unserer Kleidung erwarten, bedarf immer den Einsatz von chemischen Stoffen.

Die Frage ist daher, welche Schadstoffe sich in unserer Kleidung finden, wie sie uns beeinflussen und wie sie vermieden werden können. Der Einsatz von Chemikalien muss aber auch immer entlang der gesamten textilen Wertschöpfungskette betrachtet werden, ein Blick ausschließlich auf das Endprodukt und damit die möglichen Schadstoffe, die sich im fertigen Kleidungsstück finden, reicht an dieser Stelle nicht aus.

Uns ist wichtig, dass Dir bewusst wird, dass jedes Kleidungsstück und dessen chemische Substanzen einen Einfluss auf folgende Komponenten nimmt:[2] [3]

  • Ökosysteme werden im Rahmen der Produktion durch chemische Substanzen stark belastet
  • Arbeiter, vorwiegend in Entwicklungsländern, werden Chemikalien meist ohne notwendige Schutzkleidung ausgesetzt
  • Wir als Verbraucher, können durch mögliche Schadstoffe in der Kleidung beeinträchtigt werden.

Die beiden Flüsse Buriganga in Bangladesh sowie der Ganges in Indien sollen den Einfluss der Textilindustrie auf Ökosysteme veranschaulichen. Auch wenn in Bangladesh seit dem 20. Januar 2020 ein wichtiger Schritt mit Blick auf Umweltschutz und vor allem Wasserschutz vollzogen wurde, bei dem es Gerbereien und weiteren Textilproduktionen verboten wurde, Chemikalien ungefiltert in den Fluss zu lenken. Trotzdem hat der Fluss in den letzten Jahren sehr gelitten und ist von einer lebenspendenden Wasserader zu einem toten Gewässer geworden.[4]

Selbiges gilt für den Ganges in Indien, der unter anderem durch die Chemikalien aus der ansässigen Textilproduktion ebenfalls so stark belastet wird, dass Klimaexperten von einem kritischen Zustand des Flusses Ganges sprechen:

Der Einsatz von Chemikalien beeinträchtigt demnach nicht nur uns als Verbraucher, sondern vor allem auch Menschen und Ökosysteme in den Produktionsländern.

Die Nachvollziehbarkeit für uns als Verbraucher, welche chemischen Substanzen bei der Herstellung unserer Kleidung zum Einsatz kommen, ist dabei allerdings nicht gegeben, bzw. mit einem hohen Rechercheaufwand verbunden.

Eine Auszeichnung ist schließlich lediglich für die Zusammensetzung der Fasern gesetzlich vorgeschrieben, chemische Substanzen sucht man auf seinen Etiketten aber vergeblich.[5]

Welche Chemikalien sind in unserer Kleidung?

Zunächst ist es an dieser Stelle hilfreich, die verwendeten Chemikalien entsprechend ihres Nutzens einzuordnen. Dabei sind laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung vor allem Farbstoffe die am häufigsten vorkommenden Chemikalien, die sich in Textilien finden. Während darüber hinaus bestimmte chemische Substanzen als Hilfsmittel zur Herstellung sowie Pestizide (beim konventionellen Anbau von Naturfasern) verwendet werden, sind es auch die sogenannten Ausrüstungsmittel, die unsere Kleidung Eigenschaften wie wasserabweisend oder knitterfrei annehmen lassen. Eine Auflistung aller verwendeten Chemikalien inkl. gesundheitsbeeinträchtigender Folgen ist nahezu unmöglich, vor allem weil laut dem Bfr die Vielzahl an Farbstoffen und deren Wirkung nicht bekannt ist.[1]

Bevor wir uns den Chemikalien in unserer Kleidung widmen, möchte ich noch eine Ergänzung einbringen: Bei Chemiefasern fallen anders als bei dem Anbau von Naturfasern keine Pestizide an. Hier ist vor allem Polyester, als bekanntester Vertreter der synthetischen Polymere zu nennen, das aus Erdöl hergestellt wird und 75% der weltweiten Faserproduktion ausmacht. Bei jedem Waschgang werden Mikrofasern durch unsere Kleidung abgegeben. Im Falle von Textilien aus Polyester oder mit Polyesteranteil handelt es sich dabei um Mikroplastik, das in der Natur nicht abbaubar ist und unsere Flüsse und Meere verschmutzt.[6]

Zurück zu den Chemikalien in unserer Kleidung: Besondere Aufmerksamkeit gilt den sogenannten CMR Stoffen. Hinter der Abkürzung CMR verstecken sich die Begriffe Cancerogen, Mutagen & Reprotoxic. Dabei handelt es sich um Subtanzen, die bei Menschen die Erkrankung an Krebsleiden fördert bzw. erbgutverändernde und fruchtbarkeitsgefährdende Einflüsse nehmen kann.[7]

Beispielhafte CMR Stoffe, die in Textilien zu finden waren und erst seit Ende 2019 durch die EU mittels Grenzwerte stark reguliert wurden, sind bspw.: [8] [9]

  • Formaldehyd für knitterfreie Kleidung (limitiert auf 75 mg/kg)[10]
  • Phthalate als Weichmacher für Kunststoff, die leicht entweichen und eingeatmet werden[11] (je nach Phthalat gelten unterschiedliche Grenzwerte)
  • Benzyltrimethylammonium Chloride als Weichmacher in Textilien (limitiert auf 1000 mg/kg)[12]

Greenpeace hat bereits im Jahr 2011 im Rahmen seiner Detox Kampagne elf chemische Substanzgruppen definiert, die es entlang der gesamten textilen Wertschöpfungskette zu vermeiden gilt.

Hier wird unter anderem bereits die Gruppe der Phthalate erwähnt, deren Einsatz durch die EU seit letztem Jahr nochmal stark beschränkt wurde. Hier können die chemischen Substanzgruppen im Detail nachgelesen werden.

Besonders hervorgehoben wird durch Greenpeace die chemische Substanzgruppe der Per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC). Neben Textilien finden die rund 3.000 Stoffe der PFC ebenfalls Anwendung bspw. bei Kochgeschirr. Durch die wasser- und fettabweisende Eigenschaft ist PFC neben Pfannen und Co. auch in erster Linie für Outdoor Kleidung besonders geeignet.[13]

Erste Stoffe von PFC sind ab 2020 in der EU ebenfalls verboten. Hierbei handelt es sich vor allem um den Stoff PFOA, der als fortpflanzungsschädigender CMR Stoff eingestuft wird.[14]

Problematisch ist, dass die Industrie laut Greenpeace einfach auf einen anderen CMR Stoff ausweicht, der als FTOH bezeichnet wird. Dieser ist leicht flüchtig und wandelt sich in der Umwelt wieder zu PFOA.[15] Die Recherche ergab bislang kein Verbot von FTOH durch die EU.

Auch wenn nicht bekannt ist, dass PFC direkt über die Haut aufgenommen werden kann, bringen wir die Stoffe durch das Tragen und Waschen der Kleidung in unsere Umwelt. Da PFCs in der Umwelt nicht natürlich vorkommen und nicht abbaubar sind,  wird vermutet, dass viele der einzelnen Stoffe die Gesundheit von Mensch und Tier beeinträchtigen. Daher hat Greenpeace eine Kampagne zum Verzicht auf PFC gestartet.

Hier findest du alle relevanten Infos rund um das Thema PFC spannend und leicht verständlich aufbereitet.

Wichtig für Dich als Konsument ist demnach, dass Dir Folgendes bewusst wird:

  • Bei der Herstellung von Textilien werden sehr gefährliche Stoffe eingesetzt
  • Auch wenn sich nicht direkt Schadstoffe in deiner Kleidung wiederfinden, gelangen die Stoffe durch die Herstellung, das Tragen und Waschen der Kleidung in unsere Umwelt.
  • CMR Stoffe sind solche Stoffe, die besonders schädlich für uns Menschen sind und wo bereits durch die EU versucht wird, diese im großen Markt einzuschränken.

Aber keine Angst: Du musst Dir jetzt auf keinen Fall die einzelnen Stoffe merken. Im weiteren Verlauf zeigen wir dir, mit welchen Hilfsmittel Du schnell feststellen kannst, ob die Herstellung deiner Kleidung giftige Stoffe bedingte.

Welche Ansätze gibt es, um Chemie aus unserer Kleidung zu entfernen?

Grundsätzlich gibt es zwei Listen, die Unternehmen nutzen, um mindestens den gesetzlichen Vorgaben in Bezug auf das Chemikalienmanagement gerecht zu werden:[16]

  • Manufacturing Restrcited Substance List (MRSL): Vorgaben für die Verwendung von Chemikalien während dem gesamten Produktionsprozess
  • Restricted Substance List (RSL): Vorgaben für die Nachweisbarkeit von Chemikalien im Endprodukt

Durch ein umfangreiches Chemikalienmanagement der gesamten textilen Kette mithilfe einer MRSL rückt diese immer mehr in den Vordergrund und neben der Möglichkeit unternehmenseigene MRSL zu erstellen, finden sich auch Bündnisse wie bspw. die ZERO DISCHARGE OF HAZARDOUS CHEMICALS (ZDHC). Deren Anspruch ist es alle gefährlichen Chemikalien in der Textilindustrie entweder durch Substitution ungefährlicher Substanzen oder das Verbot der Stoffe zu eliminieren.[17]  [18]

Auch Greenpeace, die dank ihrer DETOX Kampagne Wegbereiter für eine umfangreiche MRSL zur Eliminierung gefährlichen Substanzen in der Textilindustrie sind, spricht sich für die MRSL der ZDHC aus – motiviert aber gleichzeitig zu einer kontinuierlichen Überarbeitung und Anpassung der Liste. [19] [20]

Durch diesen Anspruch handelt es sich bei den MRSL dieser Organisationen um strengere Maßnahmen als die gesetzlichen Vorgaben, die durch die REACH Verordnung vorgeben werden. So wird bspw. nach der Überarbeitung der ZDHC MRLS ab 01.01.2021 die oben genannten Formaldehyde vorerst verboten, bis weitere Ergebnisse über den Einsatz der Chemikalien in stark regulierten Mengen vorliegen.[21]

Auch etablierte Textilsiegel wie bspw.: MADE IN GREEN by OEKO-TEX®, GOTS oder bluesign® sowie das Textilbündnis kooperieren mit der ZDHC, um einen hohen Anspruch in Bezug auf deren MRLS zu gewährleisten.[22] [23]

160 gefährliche Chemikalien führt die ZDHC auf, die es zu ersetzen gilt und ab Januar 2021 wird eine überarbeite MRSL in Kraft treten.[24] [22]

Bei der ZDHC handelt es sich allerdings um kein Textilsiegel, das sich in Textilien findet. Es ist lediglich als Programm für ein effizientes und strenges Chemikalienmanagement ins Leben gerufen worden.[25]

Quellen

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