Darum lohnt es sich, auf das Fairtrade Cotton Siegel zu achten

Darum lohnt es sich, auf das Fairtrade Cotton Siegel zu achten
1. Mai 2020 Julian
In Textilsiegel Guide
Fairtrade Cotton Logo
7 Min. Lesezeit

Das Wichtigste über das Fairtrade Cotton Textilsiegel in Kürze

    • Textilien, die das Fairtrade Cotton Siegel tragen, bestehen zu 100% aus Bio Baumwolle
    • Umfangreiche Förderung vor allem auch von Kleinbauern in der Bio Baumwollproduktion wird gewährleistet
    • In Kombination mit anderen Siegeln wie dem GOTS oder MADE IN GREEN by OEKO-TEX®, sorgt das Fair Trade Cotton Siegel für einen hohen sozialen und ökologischen Standard entlang der gesamten textilen Kette

Das Fairtrade Siegel der FLO für nachhaltigen Baumwollanbau

Das Fairtrade Siegel der Fairtrade Labelling Organization (FLO) ist den meisten in erster Linie von Kaffee und Schokolade bekannt. Vor allem in der Lebensmittel Industrie ist der Aspekt der Nachhaltigkeit bereits seit langem in Köpfen von uns Verbrauchern angekommen und neben dem Preis achten wir im Supermarkt verstärkt darauf, dass Lebensmittel ebenfalls ein Fairtrade Siegel auf der Verpackung führen.

Auch im Textilbereich bietet die FLO als Siegelinhaber zwei Fairtrade Siegel, die uns beim Kauf ein Indiz für nachhaltige Mode geben sollen. Gemeint sind das Fairtrade Cotton Siegel und das Fairtrade Textile Production Siegel.

Was ist eigentlich Fairtrade bzw. Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit ist weder als eingetragener Markenname schützbar noch gibt es eine einheitliche Definition. Aus diesem Grund gibt es auch zahlreiche „Fairtrade Siegel“, am bekanntesten und auch am glaubwürdigsten ist aber das Siegel der FLO.

Uns gefällt am besten der Versuch der Autoren von „Fashion Changers“ den Begriff Nachhaltigkeit im Kontext der Textilproduktion einzugrenzen.

„Nachhaltigkeit ist ein Spektrum an Ideen, achtsam mit vorhanden Ressourcen umzugehen […] für Unternehmen bedeutet das, Entscheidungen für das Gemeinwohl zu treffen […]“ (Braumüller et. al, 2018, S. 12).

Demnach nennen sie die folgenden Teilbereiche als essenziell, um ein nachhaltiges Handeln als Unternehmen zu bewirken:

  • Soziale Verantwortung entlang der textilen Wertschöpfungskette
  • Ökologische Verantwortung im Sinne ressourcenschonender Produktionsfaktoren

Die Fairtrade Textilsiegel der Fairtrade Labelling Organization (FLO)

Ein selbstbestimmtes Leben, das durch existenzsichernde Löhne zu einem menschenwürdigen Leben und einer besseren Zukunft für Kleinbauern in Entwicklungsländern führt, ist das Ziel sowie die Vision der FLO.[1]

Als Dachorganisation definiert Fairtrade International die Standards für alle Fairtrade Bereiche, die, bezogen auf die Baumwollproduktion, im Kern folgende Kriterien abdecken: [2] [3]

  • Arbeiter haben die Möglichkeit, sich in Vereinigungen zu organisieren und Gewerkschaften zu bilden
  • Faire, geregelte Arbeitsbedingungen mit dem Verbot von Diskriminierung, Kinderarbeit, etc.
  • Verbot von gentechnisch verändertem Saatgut sowie kein Einsatz gefährlicher Pestizide

Das Einhalten der Standards wird von der unabhängigen Zertifizierungsgesellschaft FLOCERT gewährleistet, die sowohl die Baumwollproduzenten (Kleinbauern) wie auch die Baumwollhändler prüft. Ein umfangreiches Audit beider Partien kannst Du Dir beispielhaft auf FLOCERT anschauen.

Das Fairtrade Cotton Textilsiegel – Bedeutung und Anwendung

Das Fairtrade Cotton/Baumwolle Textilsiegel wird seit 2007 durch die FLO vergeben. Textilien, die damit ausgezeichnet werden, bestehen aus 100% Bio Baumwolle und eine 100%-ige Rückverfolgbarkeit ist gewährleistet.[4]

In Bezug auf die textile Wertschöpfungskette wird lediglich die Produktion der Baumwolle berücksichtigt, allerdings setzt die FLO für alle weiteren Verarbeitungsschritte Kernarbeitsnormen nach dem ILO Arbeits- und Sozialstandard voraus.[5]

Baumwollbauern wird gewährleistet, dass sie einen Mindestpreis für Bio Baumwolle am Weltmarkt erhalten, auch wenn der Weltmarktpreis unterhalb des Preises liegt. Im Falle eines höheren Preises wird selbstverständlich dieser an die Baumwollbauern bezahlt.[6]

In Bezug auf die ökologischen Faktoren setzt das Siegel voraus, dass ein ressourcenschonender Wasserverbrauch durch die Bauern realisiert wird und auf den Einsatz von „gefährlichen Chemikalien“ verzichtet wird. Auch die Verwendung von BT-Baumwolle (genmanipuliert) ist untersagt.[7] Was die Probleme beim Einsatz von genmanipulierter Baumwolle sind, kannst du hier nachlesen.

Ein detaillierter Katalog in Bezug auf verbotene bzw. den limitierten Einsatz von Chemikalien konnte leider nicht gefunden werden.

Daher greifen wir an dieser Stelle auf die Bewertung von Siegelklarheit zurück, die vor allem aufgrund der unzureichenden Standards zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit dem Textilsiegel mit Blick auf ökologische Faktoren die Mindestanforderung an Umweltfreundlichkeit für nicht erfüllt ansieht (Hier die Bewertung von Siegelklarheit).

Wieso bedarf es einem Standard mit dem Schwerpunkt auf die Faserproduktion bzw. den Baumwollanbau?

Das Handeln von Baumwolle am Weltmarkt zu Dumping-Preisen wird laut der FLO als eine der großen Herausforderungen angesehen, der Baumwollbauern aus Entwicklungsländern ausgesetzt sind. Grund hierfür ist unter anderem die USA, die als zweitgrößtes Land für Baumwollproduktion Subventionen an seine Landwirte ausschüttet, die bis zu 50% des tatsächlichen Wertes der Baumwolle sein können. Somit kann ein niedriger Preis am Weltmarkt angeboten werden, ohne dass die amerikanischen Landwirte Einbußen zu verzeichnen haben.[8] [9] Aber nicht nur die USA, sondern auch China als größter Baumwollproduzent und Europa subventionieren den eigenen Baumwollanbau und sorgen zunehmend für einen Abfall des Weltmarktpreises von Baumwolle.[10]

Schwierig wird es an dieser Stelle für Kleinbauern aus Entwicklungsländen, die keine Subventionen erwarten können und somit den niedrigen Weltmarktpreisen ausgeliefert sind.[11]

Armut und ein niedriger Lebensstandard mit wenig Aussicht auf Verbesserung sind die Folge.

Der Fairtrade Textil Standard und das Textilprogramm

Während das Fairtrade Cotton Textilsiegel lediglich den Produktionsschritt der Baumwolle innerhalb der textilen Wertschöpfungskette betrachtet, zielt die FLO mit dem Fairtrade Textile Production (Textil Standard) auf eine faire textile Kette im Ganzen ab.

Allen voran versucht die FLO mit dem Programm als Siegelinhaber neben der Fair Wear Foundation existenzsichernde Löhne entlang der gesamten Kette zu bezahlen, was sich aber über einen Zeitraum von 6 Jahren ab Vergabe des Siegels erstreckt.[12]

Eingeführt im Jahr 2016 sind laut Greenpeace drei Lizenznehmer nämlich Brands Fashion, Melawear und 3Freunde bekannt.[13] Während alle drei Hersteller Siegelträger von Fairtrade Cotton sind, konnte außer bei Brands Fashion keinerlei Information zum aktuellen Stand des Fairtrade Textil Production Programms gefunden werden. Brands Fashion weißt auch lediglich in der Rubrik Nachhaltigkeit darauf hin, dass aktuell gemeinsam mit Fairtrade an der Implementierung des Programms gearbeitet wird.[14]

Kritik an Fairtrade Textilsiegeln

 Bei den Siegeln von der FLO handelt es sich grundsätzlich um Textilsiegel, die eine hohe Glaubwürdigkeit genießen.[15] Der Verbraucher muss sich im Klaren sein, dass in Bezug auf das Fairtrade Cotton Siegel lediglich ein Produktionsschritt in der umfangreichen textilen Wertschöpfungskette betrachtet wird, hier aber hohe soziale Standards gewährleistet werden können.
Was das Textilprogramm betrifft, ist es grundsätzlich lobenswert, dass Ziel zu verfolgen, existenzsichernde Löhne zu bezahlen, zum aktuellen Zeitpunkt fehlt aber noch Transparenz dahingehend wie sich die Umsetzung bspw. bei dem Projekt in Kooperation mit Brands Fashion gestaltet und ob bis 2021 hier tatsächlich existenzsichernde Löhne bezahlt werden.

Für alle Siegel wird unserseits bemängelt, dass ein detaillierter Kriterienkatalog anders als bei vergleichbaren Siegeln nicht offensichtlich auf der Seite von Fairtrade-Deutschland zugänglich gemacht wird.

Fazit: Darum kannst du dich auf das Fair Trade Cotton Siegel verlassen

Aus diesem Grund empfehlen wir unseren Lesern, vorwiegend auf das Siegel Fairtrade Cotton/Baumwolle zu achten, da hier hohe soziale Standards gegeben sind und in Kombination mit weiteren Siegeln wir bspw. der Fair Wear Foundation kann ein Produkt, das eine faire und ökologische Wertschöpfungskette enthält, gekauft werden.

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  1. […] müssen, führt nicht zuletzt dazu, dass das Siegel laut einer repräsentativen Umfrage neben dem Fairtrade Gütesiegel, das zweitbekannteste Fair Fashion Textilsiegel in Deutschland […]

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