Darum kannst Du Dich auf das MADE IN GREEN by OEKO-TEX® Label verlassen

Darum kannst Du Dich auf das MADE IN GREEN by OEKO-TEX® Label verlassen
2. Mai 2020 Julian
In Textilsiegel Guide
Naturmode
10 Min. Lesezeit

Das Wichtigste über das MADE in Green OEKO-TEX Textilsiegel in Kürze

  1. Laut Greenpeace einer der strengsten Öko Standards neben GOTS und Naturtextil IVN
  2. Vorgabe strenger sozialer und ökologischer Standards in Bezug auf die gesamte textile Wertschöpfungskette (dasselbe gilt auch für Produktionsbetriebe der Lederindustrie, sofern das Label für Lederartikel ausgestellt wird)
  3. Hohe Transparenz für Endkunden durch Product ID oder QR-Code auf dem Label der ausgezeichneten Produkte mit zusätzlichen Informationen zu einzelnen Produktionsschritten (in welchem Land und in welchen Einzelbetrieben fand die Herstellung statt?)

Achtung: Seit 2020 kann MADE IN GREEN auch für Lederartikel vergeben werden!

Wer vergibt das Label MADE IN GREEN?

Inhaber des MADE IN GREEN Labels  ist die OEKO-TEX® Gemeinschaft. Im Jahr 1992 gegründet, handelt es sich um einen Zusammenschluss unabhängiger Prüf- und Forschungsinstitute in Europa und Japan. Neben unabhängigen Tests zur Einhaltung der angebotenen Zertifizierungen und Labels führt darüber hinaus eine regelmäßige Anpassung der Anforderungen zu einer hohen Glaubwürdigkeit der zu vergebenen Siegel.

Auch unabhängige Organisationen wie Greenpeace bestätigen die hohen Ansprüche der einzelnen Siegel, die durch OEKO-TEX® vergeben werden. Demnach besitzt das OEKO-TEX® MADE IN GREEN Label  neben dem GOTS Standard und IVN Best Standard die höchsten Anforderungen an das Chemikalien Management bei Unternehmen der Textil- und Lederindustrie.[1]

Hinweis: Bei MADE IN GREEN handelt es sich um ein Produktlabel, das nur vergeben werden kann, wenn eine Zertifzierung der Unternehmen nach STANDARD 100 sowie der STeP-Zertifzierung von OEKO-TEXT®  vorliegt.

Was bedeutet MADE IN GREEN by OEKO-TEX®?

Um der selbst auferlegten Mission einer „[…] Verbesserung der nachhaltigen Produktion und eine(r) nachhaltige(n), transparente(n) Wertschöpfungskette“ gerecht zu werden, bietet OEKO-TEX® seit 2015 unter anderem das Produktlabel MADE IN GREEN an.

Das Label „MADE IN GREEN“ setzt sich dabei aus dem STANDARD 100 by OEKO-TEX® (Produkt-Zertifizierung) bzw. bei Lederwaren dem LEATHER STANDARD by OEKO-TEX (Produkt-Zertifizierung) sowie dem STeP by OEKO-TEX® (Betriebsstätten-Zertifizierung) zusammen.

Während STeP by OEKO-TEX® vor allem soziale und ökologische Standards entlang der gesamten textilen Wertschöpfungskette vorgibt, steht beim STANDARD 100 by OEKO- TEX® die Schadstoffprüfung im Fokus, um chemische Rückstände, die schädlich sind, im Endprodukt zu reduzieren.

Die Kombination der Standards ermöglich einen ganzheitlichen Ansatz für Unternehmen, entlang der gesamten textilen Wertschöpfungskette für faire und ökologische Standards zu sorgen und gleichzeitig den Einsatz schädlicher Chemikalien auf ein Minimum zu reduzieren.

Trägt ein Kleidungsstück demnach das Label „MADE IN GREEN“, können Verbraucher von der Einhaltung folgender Kriterien ausgehen:

  • Ökologische Verantwortung entlang der textilen Wertschöpfungskette
  • Soziale Fairness entlang der textilen Kette
  • Schadstoffgeprüfte Textilien nach Standard 100 by OEKO-TEX®
  • Oder schadstoffgeprüfte Lederprodukte nach LEATHER STANDARD by OEKO-TEX®

Welche OEKO-TEX® Zertifizierungen gibt es noch?

Wie bereits erwähnt, setzt sich das MADE IN GREEN Label aus zwei Standards der OEKO-TEX® Gemeinschaft zusammen. Um einen groben Überblick über die einzelnen Standards zu erhalten, haben wir Dir im Folgenden alle Produktlabels und Zertifikate von OEKO-TEX® (MADE IN GREEN ausgenommen) kurz zusammengefasst.

STANDARD 100 by OEKO-TEX®

  • Art der Auszeichnung: Produktlabel
  • Anspruch: Siegel für schadstoffgeprüfte Textilien in allen Verarbeitungsstufen[2]
  • Vorrangiges Ziel: Verbraucherschutz mit Blick auf „giftige Kleidung“ – Kein Nachhaltigkeitsanspruch!
  • Gültigkeit: 1 Jahr

LEATHER STANDARD by OEKO-TEX®

  • Art der Auszeichnung: Produktlabel
  • Anspruch: Siegel für schadstoffgeprüfte Lederwaren in allen Verarbeitungsstufen[3]
  • Vorrangiges Ziel: Verbraucherschutz mit Blick auf „giftige“
  • Lederwaren
  • Gültigkeit: 1 Jahr

STeP by OEKO-TEX®

  • Art der Auszeichnung: Betriebsstätten-Zertifizierung
  • Anspruch: Ganzheitlicher Ansatz für nachhaltige Produktionsstätten entlang der Textilkette unter Berücksichtigung sozialer und ökologischer Faktoren[4]
  • Vorrangiges Ziel: Laufende Verbesserung der Sozial- und Umweltbedingungen entlang der gesamten Textilkette von zertifizierten Produktionsbetrieben
  • Gültigkeit: 3 Jahre

DETOX TO ZERO by OEKO-TEX®

  • Art der Auszeichnung: Status-Report
  • Anspruch: Überwachung und Optimierung des Chemikalienmanagements von Produktionsstätten
  • Vorrangiges Ziel: Erfolgreiche Umsetzung von Unternehmen, die sich im Rahmen der Greenpeace Detox Kampagne verpflichtet haben, Schadstoffe durch ungefährliche Substanzen zu ersetzen.[5]

ECO PASSPORT by OEKO-TEX®

  • Art der Auszeichnung: Chemikalien-Zertifizierung
  • Anspruch: ZDHC Konformität und Erfüllung der gesetzlichen Ansprüche von Chemikalien für die Textilindustrie[6]
    – gemäß REACH-Verordnung
  • Vorrangiges Ziel: Zertifizierung von Chemikalien in der Textilindustrie

Wie wird MADE IN GREEN by OEKO-TEX® vergeben?

Schonend für die Gesundheit und verantwortungsbewusst gegenüber der Umwelt und den Menschen, die in der Textilindustrie nur selten gehört werden, das ist das Ziel von MADE IN GREEN.[7]

Um ein Produkt mit dem MADE IN GREEN Produktlabel auszeichnen zu dürfen, muss demnach das Textilprodukt nach dem STANDARD 100 by OEKO-TEX® Grenzwerte für den Einsatz bestimmter schädlicher Chemikalien einhalten bzw. ganz darauf verzichten. Darüber hinaus müssen mindestens die Produktionsschritte der Konfektion (Näherei) sowie alle chemischen Nassbehandlungsprozesse (Textilveredlung und Färberei) entlang der textilen Wertschöpfungskette soziale und ökologische Standards, die im Folgenden erläutert werden, erfüllen.

Das MADE IN GREEN Produktlabel muss jedes Jahr erneuert werden. Besondere Transparenz wird dem Käufer durch eine Product ID oder einen QR-Code ermöglicht, der bereits vor Ort im Einzelhandel Informationen über die einzelnen Produktionsschritte bereithält.

Welche Standards/Kriterien gibt es bei MADE IN GREEN von OEKO-TEX®?

Ökologische und soziale Kriterien ergeben sich aus der STeP Betriebsstätten-Zertifizierung, beziehen sich auf mindestens auf die Konfektion und alle chemischen Nassbehandlungsprozesse der Textilkette und basieren im Wesentlichen auf folgenden Anforderungen:[8]

  • Faire Lohnzahlungen, die mindestens dem gesetzlichen Mindestlohn entsprechen
  • Verbot von Arbeit durch Kinder oder Jugendliche
  • Die Freiheit, sich in Gewerkschaften zu organisieren und Lohnverhandlungen zu führen
  • Vorhandensein eines schriftlichen Anstellungsverhältnisses
  • Einhalten und Vorgabe geregelter Arbeitszeiten mit max. Wochenarbeitszeit ohne Überstunden von 48 h
  • Keine Zwangsarbeit, Diskriminierung oder Belästigung am Arbeitsplatz

Welche Chemikalien werden limitiert/ausgeschlossen?

Im Rahmen der Zertifizierung gemäß STANDARD 100 by OEKO-TEX®  können Unternehmen ihre Produkte gemäß zwei unterschiedlicher  Anforderungskataloge (Anhänge 4 & 5 sowie Anhänge 6 & 7) prüfen lassen. Unabhängig davon, für welchen Prüfkatalog sich die Firmen entscheiden (die Prüfung nach Anhang 6 & 7 enthält zusätzliche Parameter zur Erfüllung von Kriterien der Greenpeace Detox Kampagne), gelten für die Zertifizierung von Babyartikeln die strengsten OEKO-TEX® Anforderungen und Schadstoffgrenzwerte.

Alle Chemikalien und Farbmittel im Rahmen der STANDARD 100 by OEKO-TEX® Zertifizierung werden gemäß den Anforderungen des ECO PASSPORT by OEKO-TEX® zertifiziert[9], der im vollen Umfang mindestens den Anforderungen der ZDHC Manufacturing Restricted Substances List (MRSL) entspricht.[10]

Wieso die Übereinstimmung mit der MRSL von ZDHC bereits Vertrauen für Dich als Verbraucher ausstrahlt, erfährst Du hier.

Eingeschlossen sind demnach Grenzwerte bzw. die Berücksichtigung gesetzlicher Verbote für alle chemischen Substanzgruppen aus der Greenpeace Detox Kampagne.[11]

Neben den strengen Grenzwerten in Bezug auf Rückstände in Textilien lobt Greenpeace darüber hinaus, dass OEKO-TEX® im Rahmen seines DETOX TO ZERO Audits zudem die ehrgeizigsten Meldegrenzen zur Einhaltung von Grenzwerten im Abwasser der Produktionsstätten zur verzeichnen hat.[12] Dass das DETOX TO ZERO Verifizierungssystem ebenfalls in MADE IN GREEN by OEKO-TEX® integriert ist, zeigt sich ein ganzheitlicher Ansatz in Bezug auf das Chemikalien Management über alle Produktionsschritte.[13]

Warum können sich Verbraucher auf das Siegel verlassen?

Laut einer repräsentativen Umfrage aus dem Jahr 2019 findet sich der Siegelinhaber OEKO-TEX® auf Platz drei der vertrauenswürdigsten Siegel bei deutschen Konsumenten.[14]

Darüber hinaus wird das MADE IN GREEN Label auch von unabhängigen NGOS wie Greenpeace sowie dem staatlichen Portal Siegelklarheit mit einem hohen Standard in Bezug auf Umweltfreundlichkeit sowie Sozialverträglichkeit ausgezeichnet und erfüllt demnach höchste Anforderungen in Bezug auf die Glaubwürdigkeit.[15] [16]

Zusammenfassend kann demnach sowohl von Seite der Konsumenten, NGOs sowie dem staatlichen Informationsportal zum Thema nachhaltige Siegel eine klare Empfehlung für das MADE IN GREEN Siegel von OEKO-TEX® ausgesprochen werden.

Kritik am MADE IN GREEN by OEKO-TEX® Produktlabel

Wie bereits erwähnt, wird das Produktlabel von mehreren unabhängigen Quellen als „sehr gute Wahl“ bezeichnet. Besonders hervorzuheben ist die hohe Transparenz für den Verbraucher, die durch den QR-Code am ausgezeichneten Artikel gegeben ist.

Der einzige Kritikpunkt ist im Rahmen der sozialen Standards zu erwähnen und betrifft die Anforderung, den gesetzlichen Mindestlohn zu bezahlen. Zahlreiche Studien belegen, dass dieser in den meisten Fällen nicht ausreicht und daher als Standard die Bezahlung von existenzsichernden Löhnen etabliert werden sollte. Es muss aber auch erwähnt werden, dass die Mehrheit der Siegelinhaber lediglich den Mindestlohn als Standard angeben. Eine bekannte Organisation, die hier einen höheren Anspruch hat, ist die Fair Wear Foundation. Ab März 2021 findet zudem die Version 6.0 des GOTS Siegels Anwendung, in der ebenfalls existenzsichernde Löhne als Standard gesetzt werden.

Quellen:

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