bluesign® Textilsiegel – Ein Blick hinter die Kulissen

bluesign® Textilsiegel – Ein Blick hinter die Kulissen
2. Mai 2020 Julian
In Textilsiegel Guide
Bluesign_Textilsiegel
6 Min. Lesezeit

Das Wichtigste zum bluesign® Textilsiegel in Kürze

Textilien, die mit dem Textilsiegel von bluesign® ausgezeichnet werden signalisieren Dir als Verbraucher die folgenden Standards:

  • Verzicht auf alle chemischen Substanzgruppen der Detox Greenpeace Kampagne* und weiterer Chemikalien.[1]
  • Kontrolle des Einsatzes der Chemikalien entlang der gesamten textilen Wertschöpfungskette und darüber hinaus bereits bei der Herstellung der chemischen Substanzen
  • Hohe Verbrauchersicherheit sowie Arbeits-und Gesundheitsschutz durch strenge Regulierung chemischer Substanzgruppen in der Textilwirtschaft[2]
  • Zertifizierte Kleidungsstücke können sowohl aus Natur- wie auch aus Chemiefaser bestehen

bluesign® – Ein Schritt für eine saubere Produktion von Textilien

Seit dem Jahr 2000 vergibt die bluesign® Technologies AG als Siegelinhaber unter anderem das Textilsiegel bluesign® PRODUCT. Ziel war es von Beginn an, dass eine Verbesserung der ökologischen Standards in der gesamten Wertschöpfungskette zusammen mit Herstellern erreicht wird. Mit Erfolg: Vor allem im Bereich der Outdoor Bekleidung, wo zahlreiche Chemikalien zum Einsatz kommen, zählen zahlreiche namhafte Hersteller wie VAUDE, Schöffel oder Deuter, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind, zu Siegelträgern von bluesign®. [3] [4] [5]

Wichtig ist, dass Du Dir bewusst bist, dass es sich beim bluesign® Product Label vorrangig um ein Textilsiegel mit Blick auf ökologische Faktoren handelt. In Bezug auf die soziale Verantwortung fordert bluesign® seine Mitglieder auf, die ILO Standards einzuhalten und sich diesen zu verpflichten. Bei der konkreten Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung sozialer Standards verweist die Organisation allerdings an Systempartner, wie bspw. eine Mitgliedschaft bei der Fair Wear Foundation oder Fairtrade Textile Production anzustreben.

Sollte im Rahmen des ersten Audits festgestellt werden, dass die Richtlinien der ILO verletzt werden, verpflichtet zudem bluesign® den potentiellen Bewerber, eine Mitgliedschaft in einer der bereits genannten Organisationen einzugehen.[6]

Bei bluesign® steht im Vordergrund, die Umweltbelastung durch die Textilindustrie durch umfangreiche Nachhaltigkeitskonzepte gemeinsam mit Unternehmen zu reduzieren und für eine saubere und sichere Produktion von Textilien zu sorgen.[7]

Um ihrer Mission gerecht zu werden, bietet bluesign neben dem Textsiegel für Verbraucher auch ein Textsiegel für Zulieferer sowie weitere Tools und Programme für ihre Mitglieder. Beispielhaft soll an dieser Stelle die bluesign® Academy sowie der bluesign® Finder erwähnt werden. Während Mitglieder im Rahmen der Academy nachhaltige Ansätze für eine umweltverträgliche Textilproduktion vermittelt werden, handelt es sich bei dem bluesign® Finder um eine Online Datenbank, die alternative Chemikalien führt, welche von bluesign für nachhaltige Alternativen zu herkömmlichen Substanzen bewertet wurden. Beispielhaft soll hier das Angebot von bluesign zahlreicher fluorfreier Substanzen genannt werden, die entgegen der schädlichen PFCs ebenfalls eine wasserabweisende Wirkung auf Funktionskleidung bewirken.

>> Bei Interesse kannst auch Du hier den bluesign® Finder ausprobieren 

Wann darf ein Produkt mit dem bluesign® Textilsiegel ausgezeichnet werden?

bluesign® bietet grundsätzlich neben dem bluesign® PRODUCT auch das bluesign® APPROVED Produktlabel an.

Während bluesign® APPROVED alle Zulieferer in der textilen Wertschöpfungskette auszeichnet, bezieht sich das bluesign® PRODUCT Textilsiegel speziell auf textile Endprodukte.[8] Für Dich als Verbraucher von Interesse ist daher, wie bereits erwähnt, ausschließlich das Bluedesign® PRODUCT Label.

Damit ein Produkt mit dem Label ausgezeichnet werden darf, muss es die folgenden Kriterien erfüllen:[9]

  • 90% der verarbeiteten Stoffe, die sowohl Natur- wie auch Chemiefaser beinhaltet, entspricht den Kriterien, die bluesign® in Bezug auf das Chemikalienmanagement vorgibt
  • 30% der Accessoires, die sich am Kleidungsstück befinden wie bspw. Knöpfe und Reißverschluss entsprechen ebenfalls den Kriterien, die bluesign® vorgibt
  • Die restlichen Bestandteile an Stoffen (max. 10%) und Accessoires (max. 70%) werden von durch bluesign® qualifizierte Zulieferer bereitgestellt

bluesign® Kriterien

bluesign® ist ebenfalls ein Partner der Zero Discharge of Hazardous Chemicals (ZDHC) Organisation. Demnach erfüllt die Manufacturing Restricted Substances List (MRSL) die Anforderungen, die von der ZDHC vorausgesetzt werden.

Alle Infos zum Thema MRSL sowie der ZDHC findest du hier!

Beispielhaft soll erwähnt werden, dass ein Großteil der, vor allem in der Sportbekleidung vorzufindenden Chemikaliengruppe der PFCs entweder komplett verboten oder mit sehr geringen Grenzwerten reglementiert wurden. [10] Demnach definiert bluesign für den Stoff PFOA einen „Usage Ban“ in ihrer MRSL Version 10.0.

Auch Formaldehyde, die vom BFG als zu beschränkende CMR Substanz eingeordnet wurde und ab 2020 im Rahmen der REACH Verordnung verboten wird, ist bereits mit einem Verbot in der Version 10.0 von 2019 enthalten.[11]

Auch alle chemischen Substanzgruppen, die im Rahmen der Detox Kampagne von Greenpeace definiert wurden, sind bei bluesign stark reglementiert oder von Beginn an ausgeschlossen.[12]

bluesign® Zertifizierung

Damit ein Unternehmen Systempartner bei bluesign® werden kann und demnach die Möglichkeit erhält, entweder als Zulieferer seine Materialien mit dem Label bluesign® APPROVED oder als Modeunternehmen seine Produkte mit dem bluesign® PRODUCT auszeichnen zu dürfen, bedarf es zunächst einem Screening des Unternehmens durch bluesign®.

Dabei ermittelte Potentiale sowie Missstände werden im Anschluss in einem Maßnahmenplan festgehalten, der zeitlich begrenzt eine Optimierung der Produktion entsprechend der bluesign® Kriterien bedingt.

Um darauf aufbauend die gewünschte Zertifizierung zu erhalten, überprüft der unabhängige Warenprüfkonzern SGS die Umsetzung entsprechend dem Maßnahmenplan. Die SGS ist das weltweit führende Unternehmen in den Bereichen Prüfen, Testen, Verifizieren und Zertifizieren handelt.[13] Um sicherzustellen, dass die Maßnahmen langfristig implementiert werden, erfolgt eine Überprüfung der Standards in einem regelmäßigen Abstand von drei Jahren. [14] [15] [16]

*Greenpeace merkt allerdings an, dass die Grenzwerte bei PFC zertifizierter Funktionskleidung strenger sein könnten

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