Was zeichnet Bio-Baumwolle aus & wie schont sie die Umwelt

Was zeichnet Bio-Baumwolle aus & wie schont sie die Umwelt
2. Mai 2020 Caroline
In Naturfaser
Baumwolle
13 Min. Lesezeit

Wusstest du, woher das Wort „Cotton“ seinen Ursprung hat? Es wurde abgeleitet von dem arabischen Wort „kutun“ oder „guttun“, welches feine Textilien beschreibt. [3] Die konventionelle Baumwollindustrie zeigt, dass Baumwolle derzeit nicht viel mit „guttun“ zu tun hat. Was kann man tun, um die schädliche Baumwollindustrie nicht weiter zu unterstützen? Die Antwort scheint Bio-Baumwolle zu sein, doch was genau dahintersteckt, klären wir hier auf.

Wie wird Bio-Baumwolle hergestellt?

Der wichtigste Unterschied im Anbau von Bio-Baumwolle zu konventioneller Baumwolle ist, dass der Einsatz von chemischen Pestiziden und Düngemitteln verboten ist. Stattdessen werden natürliche Düngemittel wie Dung und Kompost verwendet. Dadurch erhöht sich der Humusanteil im Boden und er kann wieder mehr Wasser und CO2 speichern. Zudem muss beim biologischen Anbau eine Fruchtfolge eingehalten werden. Das heißt, dass nicht einfach immer wieder Baumwolle auf der gleichen Fläche angepflanzt werden kann. Durch den Wechsel mit mehreren Pflanzen wird der Vermehrung von Schädlingen und Krankheiten vorgebeugt.
Da keine Pestizide und Insektizide eingesetzt werden, behilft sich die ökologische Landwirtschaft beim Baumwollanbau mit einer optisch sehr ansprechenden Alternative: Um das Baumwollfeld werden beispielsweise Sonnenblumen angepflanzt, die Schädlinge wie den Baumwollkapselkäfer anziehen und von den Baumwollpflanzen fernhalten.

Bei der maschinellen Baumwollernte werden oft chemische Entlaubungsmittel eingesetzt, beim biologischen Anbau wird durch eine Ernte von Hand auf jegliche Chemie verzichtet.

Du merkst bestimmt schon, an wie vielen Stellen beim konventionellen Baumwollanbau Chemie eingesetzt wird: Vom Anziehen der genmanipulierten Pflanzen bis zur Ernte der Baumwolle kommen ständig Pestizide und chemische Düngemittel zum Einsatz. Dass hier die Natur zu Schaden kommt, ist also kein Wunder. Laut dem Umweltinstitut München bewahrst du mit dem Kauf von einem Biobaumwoll-Shirt rund sieben Quadratmeter Boden vor Pestiziden und Kunstdünger.[1]

Bio-Baumwolle wird derzeit hauptsächlich in Indien, China, der Türkei, Tajikistan und Kyrgyzstan angebaut. [2]

Doch wie geht es nach dem Anbau der Pflanzen eigentlich weiter?

Bis die Baumwolle erntebereit ist vergehen 5 bis 6 Monate. Nach der Blüte wachsen die Samenkapseln, die dann nach ca. 45 Tagen langsam aufplatzen. Wenn diese Kapseln dann getrocknet sind, erhält die Baumwolle ihr typisches Aussehen: Braune getrocknete Blätter umhüllen den weißen Bausch in der Mitte. Beim biologischen Anbau wird die getrocknete Samenkapsel dann per Hand gepflückt.
Aus den Fasern werden dann die Samen entfernt und ein Garn gesponnen. Daraus kann dann der erste Stoff gewebt werden, der allerdings noch gefärbt und veredelt wird, erst dann wird daraus ein fertiges Kleidungsstück gefertigt. Die Veredlung umfasst Vorgänge wie Bleichen, Färben oder Bedrucken. Wer sichergehen möchte, dass bei der Produktion seines Kleidungsstücks auch hier ökologische Standards eingehalten werden sollte auf das GOTS oder das IVN Best Zertifikat achten.
Mit der Bio-Zertifizierung wird außerdem sichergestellt, dass alle Produktionsschritte regelmäßig auf Einhaltung der Standards kontrolliert werden.[3] [4]

Aber nochmal zurück: Was bedeutet eigentlich ökologischer Anbau?

Dieser sieht strenge Produktions- und Verarbeitungsrichtlinien vor, die eben regelmäßig von unabhängigen Kontrollstellen überprüft werden. Eine Garantie dafür, um vom Feld über die Fabrik, alle Produktionsschritte genauestens zu kennen. Etwas, dass wir in der konventionellen Landwirtschaft, wo die Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur zum Standard gehört, vermissen. Diese Ausbeutung hat zur Folge, dass Böden überlastet sind, Flächen überweidet und mit chemischen Düngemitteln versucht wird, alles Leben aus dem Boden herauszuholen. Beim ökologischen Landbau geht es darum im Rahmen der Belastungsgrenze der Natur zu arbeiten. Natürlich werden die Produkte weiterhin angebaut, aber so, dass die Umwelt keinen Schaden nimmt und der Boden auch noch viele weitere Jahre bewirtschaftet werden kann. [5]

Ist Bio-Baumwolle gleichzeitig Fair Trade Kleidung? Bedeutet Bio-Baumwolle auch gleichzeitig faire Baumwolle?

 Bio zertifizierte Baumwolle heißt nicht automatisch, dass soziale Standards eingehalten werden, dafür gibt es eigene Siegel wie IVN Best und GOTS. Trotzdem geht es den Biobauern in ärmeren Ländern oft besser, als den konventionellen Farmern. Da Kunstdünger und Pestizide mit Dung und Kompost ersetzt werden, kommen die Farmer mit diesen gesundheitsschädlichen Mitteln gar nicht erst in Kontakt und sparen sich auch das Geld dafür. Durch die vorgeschriebene Fruchtfolge auf den Anbauflächen machen sie sich auch nicht so abhängig von der Baumwolle, sondern können auch andere Produkte verkaufen. [1]

Durch den Anbau von Nahrungsmitteln in der Fruchtfolge sichert der Bauer auch so oft schon das Überleben seiner Familie.[3]

Wie wirkt sich die Produktion von Bio-Baumwolle auf die Umwelt aus?

Die Baumwollpflanze benötigt Unmengen an Wasser, ganzjährig Sonne und warme Temperaturen zum Wachsen. Das Wasser für den Anbau von Baumwolle fehlt oft in den sowieso schon wasserarmen Regionen. Ein prominentes Beispiel für den hohen Wasserbrauch der Baumwollproduktion ist oder besser war der Aralsee in Zentralasien.

Mittlerweile ist der einst viertgrößte Binnensee der Welt fast komplett verschwunden. [6] Bio-Baumwolle benötigt rund 91 % weniger Wasser bei der Bewässerung, weil durch die Fruchtfolge und die organische Düngung mit Kompost und Mist der Boden mehr Wasser speichern kann. [9]

Beim konventionellen Baumwollanbau kommt es durch die chemischen Düngemittel und Pestizide zur Bodenerosion. Eine Erscheinung, die durch übermäßige Nutzung des Bodens und durch zu kurze oder gar keine Brachzeiten entsteht. Der fruchtbarste Teil des Bodens geht hier nach und nach verloren. Das führt über eine Verschlechterung der Bodenqualität schließlich dazu, dass der Boden irgendwann gar nicht mehr für den Anbau genutzt werden kann. [7]

Durch die ökologische Behandlung der Anbaufläche beim Anbau von Bio-Baumwolle entsteht keine Bodenerosion. Dadurch kann der Boden mehr Wasser speichern und es wird weniger Wasser für die Bewässerung benötigt.

Zudem gelangen beim Anbau von Bio-Baumwolle keine chemischen Substanzen in die Umwelt und ins Grundwasser. Mit der Verwendung von Pflanzenfallen und Nützlingen, die den Schädlingen auf natürliche Weise „an den Kragen gehen“ [8], kann gleichzeitig auch die Energie aus der Düngerproduktion eingespart werden. [9] [10]

Inwiefern beeinflusst die Umstellung auf den Anbau von Bio Baumwolle die Lebensbedingungen der Farmer?

Der Verzicht auf sämtliche chemische Düngemittel und Pestizide sorgt dafür, dass die ökologischen Farmer gar nicht mehr mit diesen giften und gesundheitsschädlichen Substanzen in Kontakt kommen. Zudem sind sie nicht abhängig von großen Saatgut- und Düngemittelherstellern wie Monsanto. Pflanzen aus genmanipuliertem Saatgut sind nicht fruchtbar – das bedeutet der Bauer muss jedes Jahr erneut teures Saatgut nachkaufen, obwohl sich die Baumwollpflanze eigentlich sogar selbst befruchtet. Manche Farmer müssen sich für teures Saatgut sogar verschulden.[11] Durch die vorgegebene Fruchtfolge macht sich der Bauer auch nicht mehr abhängig von einem einzigen Ertrag, sondern kann verschiedene Pflanzen anbauen. Gerade beim Anbau von Lebensmitteln ist es wesentlich gesünder, wenn nicht gleichzeitig ein Baumwollfeld mit massenhaft Dünger behandelt wird. [12]

Verschiedene Erzeugergemeinschaften helfen den örtlichen Bauern beim Umstieg oder Einstieg in die ökologische Landwirtschaft und unterstützen diese z.B. bei der richtigen Fruchtfolge.

Wie wichtig das ist, verdeutlicht Devotha Mansanja aus Tanzania:

„Aufgrund von Regenknappheit fiel dieses Jahr zum Beispiel die Maisernte sehr schlecht aus, doch Dank unseres Zusatzeinkommens durch Sonnenblumen und Mungbohnen konnten wir Nahrungsmittel kaufen und hatten so trotzdem genügend zu Essen. Außerdem essen wir auch die nährstoffreichen Mungbohnen …[13]

Zudem versorgen die Hülsenfrüchte den Boden mit wertvollem Stickstoff, der für das Pflanzenwachstum essentiell ist. In der konventionellen Landwirtschaft würde er in Form von Kunstdünger zugefügt werden. Durch die Fruchtfolge entsteht eine Win-Win Situation für Mensch und Umwelt. [13]

Wie nachhaltig ist Bio-Baumwolle?

Baumwolle kann wegen den klimatischen Bedingungen, die die Pflanze zum Wachsen braucht, nicht in Deutschland angebaut werden. Die Pflanze wächst am besten in tropischen Gegenden, wird aber auch in subtropischen Gebieten angebaut.  Daher muss sie, bis sie zu uns nach Deutschland kommt, auch einiges an Strecke zurücklegen. Nachhaltiger wäre es auf regionale Fasern wie Hanf oder Leinen auszuweichen. Diese wachsen auch in Deutschland und sind im Vergleich zur Baumwollpflanze weniger anspruchsvoll. 1 Die aktuelle Ökobilanz von Bio-Baumwolle zeigt, dass die im Vergleich zur konventionell angebauten Baumwolle ganz 91 % weniger Wasser verbraucht. Das macht die Bio Variante auf jeden Fall schon mal nachhaltiger als die „normale“ Baumwolle. 3 Zusätzlich sollte man bedenken, dass Bio-Baumwolle und Baumwolle im Vergleich zu Kunstfasern recycelbar sind – unter der Voraussetzung, dass das Kleidungsstück zu 100 % aus (Bio-)baumwolle besteht. Kunstfasern oder Fasergemische können lediglich zu Putzlappen „gedowncycelt“ werden. Wenn du also beim nächsten Einkauf möglichst ressourcenschonend und nachhaltig einkaufen möchtest, achte am besten auf zertifizierte Bio-Baumwolle oder andere zertifizierte Naturfasern. Eine gute Alternative ist auch die auf der Basis von Holz hergestellte natürliche Chemiefaser Lyocell.

 Warum kostet Bio-Baumwolle mehr als herkömmliche Baumwolle?

Diese Frage müsste man eigentlich umdrehen: Warum kostet herkömmliche Baumwolle eigentlich so wenig? Die Pflanze muss ganze 6 Monate bis zur Ernte gepflegt werden und beim ökologischen Anbau wird sie sogar per Hand geerntet. Die Farmer konventioneller Baumwolle kommen oft gerade so über die Runden – ein für uns Konsumenten angemessener Preis würde das Leben der Baumwollbauern oft sehr verbessern. Zertifizierte Bio-Baumwolle zahlt den Farmern einen fairen Preis – und hat damit auch für uns einen fairen Preis. 3 Oft ist es eine einfache Überlegung: Wenn ein Shirt aus Baumwolle nur 5 € kostet, wie sollen davon alle Beteiligten der Wertschöpfungskette vom Bauern über den Designer bis zum Einzelhandel daran fair beteiligt werden?

Ist Bio-Baumwolle pflegeleicht? Wie pflegt man Bio-Baumwolle richtig?

Eine goldene Regel für die Pflege von Kleidungsstücken im Allgemeinen ist: nicht so oft waschen! Oft reicht es Flecken punktuell zu reinigen und das Kleidungsstück draußen auszulüften oder beim Duschen mit ins Bad zu hängen. Der Wasserdampf entzieht Gerüche und glättet Falten. Beim Waschen solltest du auf niedrige Temperaturen achten und lieber den Schonwaschgang ohne viel Schleudern verwenden. Gerade unbehandelte Bio-Baumwolle kann nach häufigen Schleudern etwas stumpf werden. Dagegen helfen auch biologisch abbaubare Bio-Weichspüler. Bitte verwendet keine herkömmlichen Weichspüler – diese sind oft voll von resistenten chemischen Zusätzen. [14] Baumwolle ohne chemische Knitterbehandlung neigt dazu, eher faltenanfällig zu sein. Am besten ist es, Baumwolle noch im feuchten Zustand zu bügeln, da die Fasern dann noch reißfester sind. Achte darauf, dass dein Baumwollprodukt beim ersten Waschen etwas eingehen kann. [15]

Eigenschaften von Bio-Baumwolle

 Baumwolle ist nicht einfach so zur beliebtesten Naturfaser der Welt geworden. Durch ihre Eigenschaften überzeugt die Naturfaser auf vielen Ebenen. Baumwolle kann sehr viel Feuchtigkeit aufnehmen, dadurch entsteht keine Staunässe auf unserer Haut. Vielleicht kennt ihr das von Kunstfaser Pullovern, die schnell unangenehme Gerüche entwickeln, weil sie die Haut nicht atmen lassen. Das wird dir mit Baumwolle nicht passieren. Die Naturfaser ist auch für empfindliche Hauttypen und Allergiker gut geeignet. Zudem ist Baumwolle atmungsaktiv, angenehm und weich auf der Haut zu tragen.  [15] [16]

Recycelte Bio-Baumwolle

Kleidung aus 100% Bio-Baumwolle bzw. aus 100% Baumwolle kann recycelt werden. Die Fasern werden aus den alten Kleidern neu gesponnen, allerdings ist die Qualität des recycelten Garns wesentlich schlechter, als die von frischer Baumwolle. Daher kann das Recycling Garn auch nur zu bis zu 20% neuem Garn beigemischt werden, um weniger Qualitätsverlust zu haben. [17]

Ein Unternehmen aus Finnland und ein Start-up aus der Schweiz haben eine neue Methode zum Recycling von Baumwolle getestet: Die Zellulose wird aus den alten Kleidungsstücken herausgelöst und neu in Fäden gepresst – auf dieselbe Weise wird aktuell Viscose und Lyocell hergestellt. Dieser Prozess entgegen des herkömmlichen Recyclings kein Downcycling, sondern die neu gewonnen Fasern hätten eine gute Qualität. [18] [19]

Grundsätzlich ist reine Baumwolle als Naturprodukt auch biologisch abbaubar.

Welche Nachteile bringt Bio-Baumwolle?

In der Qualität steht die Bio-Variante der herkömmlichen Baumwolle in nichts nach. [20] Auch das Angebot von Produkten aus Bio-Baumwolle lässt mittlerweile kaum noch Wünsche offen. Viele Marken arbeiten mittlerweile mit reiner Bio-Baumwolle, in unserer Suche kannst dir die alle fairen Hersteller dazu herausfiltern.

Durch den Verzicht auf gentechnisch verändertes Saatgut und den Einsatz von chemischen Düngemitteln ist der Ertrag pro Pflanze bei der Bio-Baumwolle nicht so hoch wie im konventionellen Anbau. Deswegen benötigt man für dieselbe Menge Baumwolle eine etwas größere Bodenfläche – da der Boden aber wesentlich besser gepflegt wird, als bei der chemischen Bearbeitung des konventionellen Anbaus, ist dieses Argument nicht wirklich tragend.
Der Umstieg auf den ökologischen Anbau von Baumwolle dauert ca. drei Jahre und ist durchaus kostspielig. Zudem können sich gerade die kleinen Betriebe die teuren Zertifizierungen nicht leisten. [21]

Welcher Zertifizierung kann ich vertrauen?

 Die besten Standards bei der Baumwollproduktion bieten das GOTS und das IVN Best Zertifikat. Auf soziale Rahmenbedingungen für die Arbeiter hat sich die Fair Wear Foundation spezialisiert. Es gibt auch Labels wie die Better Cotton Initiative (BCI) oder auch Cotton made in Africa (CmiA), die weniger strenge Richtlinien als GOTS oder IVN verfolgen. GOTS und IVN verbieten den Einsatz von Chemikalien und Pestiziden. CmiA und BCI schränken den Gebrauch von Chemikalien dagegen nur ein. Nachteil hier ist, dass mehr Bauern den Standards von BCI oder CmiA beitreten, weil diese leichter zu erfüllen sind: Weniger strenge Einschränkungen bei gleichem Ertrag durch genmanipuliertes Saatgut. Das macht es den strengen Labels schwerer sich durchzusetzen und sorgt für einen Rückgang der Biobaumwollproduktion. Das Positive an Labels wie BCI oder CmiA ist, dass sie grundsätzlich eine hohe Reichweite haben und die ökologischen, sowie sozialen Zustände in den Ländern durchaus verbessern – nur eben noch nicht streng genug. Bei BCI muss zusätzlich erwähnt werden, dass deren Standards laut Siegelklarheit gerade überarbeitet werden. [22] Achte also bei den Zertifizierungen auf die richtigen Labels, die wir hier nochmal für dich zusammengefasst haben. [23] [24] [25] [26] [27]

Quellen

 

Comment (1)

Pingbacks

  1. […] gibt es neben Naturfasern wie Baumwolle, Leinen, Seide, Wolle, oder Hanf, auch chemisch bzw. künstlich hergestellte Fasern. Dabei […]

Antwort hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*