Die 5 wichtigsten Fakten zu Chemiefasern

Die 5 wichtigsten Fakten zu Chemiefasern
1. Mai 2020 Caroline
In Chemiefaser
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8 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze: 5 Fakten über Chemiefasern 

  1. Chemiefasern decken 75% der weltweiten Faserproduktion ab, Polyester mit wiederum 65% davon hat demnach den größten Faseranteil in der Textilproduktion
  2. Chemiefaser ist nicht gleich Chemiefaser: Fasern wie Viskose oder Lyocell zählen ebenfalls dazu, werden allerdings bspw. aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz gewonnen
  3. Synthetische Chemiefasern auf Erdölbasis stellen eine hohe Umweltbelastung dar, da sie nicht biologisch abbaubar sind und beim Waschen Mikroplastik freisetzen
  4. Den Faseranteil kannst Du in jedem Kleidungsstück im Etikett nachlesen
  5. Vor allem synthetische Chemiefasern (Polyester) schneiden in Bezug auf Recycling sehr schlecht ab. Statt einem Recycling gleicht der Verwertungsprozess eher einem Downcycling.

Grundsätzlich gibt es neben Naturfasern wie Baumwolle, Leinen, Seide, Wolle, oder Hanf, auch chemisch bzw. künstlich hergestellte Fasern. Dabei unterscheidet man zwischen synthetischen Fasern wie Polyester oder Polyacryl und Regeneratfasern wie Lyocell und natürlichen Chemiefasern wie Viskose. 


Was ist der Unterschied zwischen Naturfasern und Chemiefasern?

Wie der Name schon verrät haben Naturfasern einen natürlichen Ursprung und werden aus Pflanzen oder dem Fell von Tieren hergestellt. Eine sehr bekannte Naturfaser, die du bestimmt kennst, ist Wolle: Sie wird aus der Wolle von Schafen gewonnen. Weitere Naturfasern tierischen Ursprungs sind z.B. Angora, Kaschmir, Alpaka, Mohair und Seide. Pflanzliche Fasern werden aus natürlicher Zellulose gewonnen. Die bekannteste unter den pflanzlichen Naturfasern ist wahrscheinlich die Baumwolle. Weitere Naturfasern, die aus Pflanzen gewonnen werden, sind z.B. Leinen, Hanf, Jute, Ramie, Sisal, Abaca oder Kokos. [1]

Chemiefaser ist aber nicht gleich Chemiefaser: Es gibt zellulosische Chemiefasern und synthetische Polymere (=Kunststoffe), darunter fallen Polyester, Polyacryl, Elasthan und Polyamid. Zellulosefasern werden aus natürlichen Rohstoffen gewonnen, meistens aus Holz. Beispielsweise gehören Fasern wie Viskose, Lyocell und Modal in diese Kategorie. [2]

 

Wie werden synthetische (Chemie)fasern hergestellt? 

Problematischer ist die Herstellung von synthetischen Polymeren, weil das Ausgangsmaterial für die synthetische Chemiefaser Erdöl ist, was nicht biologisch abgebaut werden kann. Da zellulosische Chemiefasern aus natürlichen Rohstoffen (Holz) stammen, können diese auch in den biologischen Kreislauf zurückgeführt werden. Das bedeutet, dass sie biologisch abbaubar sind.

Synthetische Polymere sind z.B. Polyester, Polyamid, Polyacryl und Elasthan.[3] Du kennst bestimmt den Zettel mit der Waschanleitung in deinen Kleidungsstücken – es lohnt sich hier auch einmal nachzusehen, welche Fasern bei der Produktion des Stückes verarbeitet wurden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die meisten deiner Kleidungsstücke einen hohen Anteil an Polyester, Polyacryl oder Elasthan haben.

 

Chemiefasern machen nämlich mittlerweile 75% der weltweiten Faserproduktion aus. Dabei fallen ganze 65% auf synthetische Polymere zurück. Die restlichen 10% machen zellulosische Chemiefasern aus.  Polyester ist einfach und billig herzustellen und besitzt dabei eine langlebige und formstabile Faser. In der Produktion spart Polyester Agrarflächen und die damit verbundenen Aufwände. In 2/3 unserer Kleidung steckt Polyester, wenn auch gemischt mit Baumwolle o.ä. Dabei fallen trotzdem pro T-Shirt aus Polyester zwischen 3,8 und 7,1 kg CO2 an. [2]

Wie nachhaltig sind Chemiefasern?

 Dazu betrachten wir verschiedene Aspekte wie die Herstellung und das Recycling.
Eines der größten Probleme in Zusammenhang mit der Verwendung von synthetischen Fasern ist die Verschmutzung der Meere und der Natur durch Mikroplastik. Durch den Abrieb in der Waschmaschine verlieren synthetische Kleidungsstücke bei jedem Waschgang Mikroplastik, welches dann in unserem Grundwasser landet.[2]
Mittlerweile gibt es Waschbeutel, in denen synthetische Kleidung vor dem Waschen eingepackt wird und die das Mikroplastik aufhalten, damit es nicht im Wasser landet. Solche Beutel werden z.B. von der Marke Guppyfriend hergestellt. [4]

 

Guppyfriend Waschbeutel

guppyfriend Waschbeutel verhindern, dass beim Waschen Mikroplastik austritt.

Mikroplastik sammelt sich im Waschbeutel

Mikroplastik Faserreste sammeln sich im Waschbeutel, anstatt im Grundwasser und in der Natur

Für die Herstellung von Kunstfasern wird weltweit weniger als 1% des geförderten Erdöls benötigt. Zudem entsteht für die Produktion von synthetischen Fasern kein Flächenbedarf, wohingegen für den Anbau von Baumwolle oder der Haltung von Schafen für die Wollproduktion wesentlich mehr Fläche benötigt wird.

“Für die Produktion einer Tonne Wollfasern werden 170 ha Weidefläche benötigt. Für eine Tonne Viskosefasern benötigt man dagegen 0,7 ha Waldfläche und keinerlei landwirtschaftliche Fläche.“ (Industrievereinigung Chemiefaser e.V.) [5]

Ein weiterer Aspekt ist der Wasserverbrauch bei der Herstellung von synthetischen Fasern. Baumwolle benötigt bekanntermaßen in der Bewässerung Unmengen an Wasser, und wenn es sich nicht gerade um Bio-Baumwolle handelt, auch einen hohen Einsatz von Pestiziden. Betrachtet man aber den Energieverbrauch ist dieser im Vergleich Baumwolle – Polyacryl beim künstlichen Produkt wesentlich höher. [6]

Spannend wird es beim Thema Recycling. Was die Wiederverwertung von synthetischen Fasern angeht, kommt der Prozess bei synthetischen Fasern oft eher einem Downcycling gleich. Altkleider werden nach u.a. nach Indien transportiert um dort sortiert, zerschnitten und zu neuen Stoffen gesponnen zu werden. Hergestellt werden daraus aber keine hochwertigen Kleidungsstücke, sondern Putzlappen für die Industrie. [7]

„Echte Wertschöpfung wäre es aus alter Kleidung, Neue zu machen.“ (planet e., Fast Fashion – Die Folgen des Modewahnsinns)

Billig produzierte Kleidung aus Polyester und Elasthan kann gar nicht recycelt werden, so Kai Nebel in der ZDF Doku von planet e „Fast Fashion – die Folgen des Mode Wahnsinns.” Gerade bei Teilen mit besonderen Accessoires wie z.B. Pailletten ist Recycling unmöglich. Kleidungsstücke aus reinem Polyester könnten theoretisch sogar recycelt werden, was aber sehr aufwendig und nicht lohnenswert ist. Zudem werden Polyesterfasern in den meisten Fällen mit Baumwolle o.ä. gemischt. Diese Mischfasern können auch nicht sinnvoll recycelt werden. Wohin also mit den synthetischen Fasern? Verbrennen, meint Kai Nebel, etwas anderes kann er mit diesen Fasern nicht anfangen. [6]

Das Recycling von Baumwolle ist hier deutlich einfacher. Reine Baumwollkleidung kann nach dem Sortieren in neues Garn gesponnen werden. Allerdings müssen die recycelten Fasern mit 70 bis 80 % neuem Baumwollgarn versponnen werden, um eine gute Qualität zu gewährleisten. Das Zerreißen der recycelten Kleidungsstücke führt dazu, dass die Fasern kürzer und unregelmäßiger werden. Daher ist die Qualität von recyceltem Baumwollgarn auch schlechter, als die von reinem Baumwollgarn. Ebenfalls ein Downcycling, aber immerhin ist eine Rückführung in den Kreislauf möglich. [6]

Ökologischer und nachhaltiger dagegen sind zellulosische Regeneratfasern wie Lyocell. Mehr dazu kannst du in unserem Artikel hier nachlesen.

 

Was wird aus Chemiefasern hergestellt? 

Wie schon erwähnt decken Chemiefasern derzeit 75% der weltweiten Faserproduktion aus. Dazu enthalten 2/3 unserer Kleidungsstücke Polyester – die Wahrscheinlichkeit, dass auch deine Kleidungsstücke die synthetische Faser enthalten ist also ziemlich hoch. Von Polyacryl in woll – ähnlichen Stoffen über Elasthan in der Jeans oder der  Sportleggings bis zu Polyester in allen möglichen Kleidungsstücken begleiten uns gerade die umweltschädlichen synthetischen Kunstfasern jeden Tag. [2]

Dazu werden die Fasern auch in der Ausstattung von Wohnräumen und Büros verwendet. Aber auch im öffentlichen Raum begegnet uns die Faser: Hotels, Restaurants und öffentliche Transportmittel werden auch mit Chemiefasern ausgestattet. [5]

Fazit: Es lohnt sich beim Klamottenkauf auf zellulosische Chemiefasern zurückzugreifen. Diese bieten einen guten Tragekomfort, sind vegan und belasten die Umwelt viel weniger, als es synthetische Fasern tun. Eine zellulosische Faser, die von vielen Fair Fashion Labels, wie z.B. ArmedAngels genutzt wird, ist Tencel.

Gerade die Belastung der Umwelt durch Mikroplastik und auch die fehlenden Recyclingmöglichkeiten machen reine Kunstfasern zu keinem nachhaltigen Produkt.

 

 

Infografik Chemiefasern

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