Fair Fashion – Wie Kleider Leute machen und Verantwortung für Umwelt und Menschen übernehmen

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Fair Fashion – Wie Kleider Leute machen und Verantwortung für Umwelt und Menschen übernehmen

Herzlich Willkommen auf Fairlier! Es freut uns, dass du mehr über Fair Fashion erfahren möchtest. Vielleicht ist es dir noch nicht bewusst, aber durch dein bloßes Interesse, veränderst du bereits die Modeindustrie nachhaltig.

Du fragst dich, wie das möglich ist?

Darauf kommen wir gleich zurück, doch zuerst möchten wir dir einen Überblick verschaffen, was dich im Folgenden zum Thema Fair Fashion erwartet:

Jetzt aber zurück zum Wesentlichen:

Dein Beitrag zu nachhaltiger Mode

Wir möchten dir zeigen, dass bereits dein Interesse an Fair Fashion die Textilindustrie verändert. Dazu müssen wir kurz etwas ausholen und zwei Faktoren hervorheben, die für das Wachstum der konventionellen Textilindustrie ausschlaggebend sind:

Globalisierung

Bis in die 1970er Jahre gab es vor allem auch in Deutschland eine ausgeprägte Textilwirtschaft. Mit steigenden Produktionskosten wurde die Produktion zunehmend unrentabel. Dank der aufkommenden Globalisierung begannen Unternehmen ihre Produktionsstätten ins Ausland zu verlegen.[1]

Synthetische Chemiefasern

Chemiefasern, allen voran das erdölbasierte Polyester, sind im Vergleich zu Naturfasern kostengünstiger herzustellen und daher in der Modeindustrie sehr beliebt. Laut Greenpeace ermöglichte erst Polyester den Aufstieg von Fast Fashion.

 

Durch eine kostengünstige Produktion im Ausland, der Verwendung von synthetischen Chemiefasern und einer geschickten Vermarktungsstrategie, die auch als Fast Fashion bezeichnet wird, haben es Modeunternehmen geschafft, den Modeumsatz weltweit innerhalb von ca. 10 Jahren auf nahezu 2 Billionen Dollar zu verdoppeln.[2]

Wenn wir jetzt diese Entwicklung aus Sicht eines etablierten Modeunternehmens betrachten, entwickelt sich doch alles zum Besten oder? Wir produzieren günstig, setzen durch kurzlebige Trends dauerhaft Kaufanreize und erhöhen somit den Umsatz. Wieso also plötzlich damit beginnen, den Aufwand zu betreiben faire Kollektionen zu entwerfen, bei dem der Fokus auf „Nachhaltigkeit“ gelegt wird?

Der Grund bist du! Du und viele andere, die begonnen haben, die Herstellung von günstiger Wegwerfmode zu hinterfragen. Auch wenn vor allem große Modeunternehmen in ihrer Kommunikation gerne betonen, wie wichtig ihnen eine nachhaltige Produktion ist. Würden du und wir uns nicht verstärkt mit dem Thema Fair Fashion befassen, würde kein großes Modeunternehmen einen Fuß bewegen. Ausgenommen sind an dieser Fair Fashion Unternehmen, die ihr gesamtes Sortiment von Beginn an auf eine sozialverträgliche und ökologische Produktion ausrichten.

Am Ende handelt es sich bei Fair Fashion für bekannte Fast Fashion Unternehmen nur um eine Marktveränderung, auf die reagiert werden muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das untermauert die Studie „The State of Fashion 2020” von McKinsey. Hier wird der Wunsch von uns Verbrauchern nach „sustainable first“ als eine der größten Herausforderungen sowie Chancen bezeichnet, mit der sich die Modeindustrie auseinandersetzen muss.[3]

Überlagert werden alle Herausforderungen der Industrie derzeit durch die Corona Pandemie, wobei auch dadurch nachweisbar das Umweltbewusstsein der Verbraucher gestiegen ist, was wiederum „sustainable first“ in der Modeindustrie weiter Gewicht gibt.[4] [5]

Unserer Überzeugung nach ist das der Grund, wieso unsere Aufmerksamkeit durch Unternehmen wie H&M, C&A und vielen weiteren seit einigen Jahren verstärkt auf Werbekampagnen mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit gelenkt wird. Bei genauerer Betrachtung steckt leider nicht mehr als Greenwashing hinter solchen Kampagnen.

Fair Fashion und seine vielen Gesichter

Bevor wir uns weiter mit Fair Fashion beschäftigen, möchten wir erstmal ein gemeinsames Verständnis schaffen. Vielleicht sind dir neben Fair Fashion auch schon weitere Bezeichnungen wie nachhaltige Mode, Ethical Fashion, Slow Fashion, Eco Fashion oder Fair Trade Kleidung über den Weg gelaufen.Viele große Modeunternehmen veröffentlichen zudem jährlich einen Nachhaltigkeits- oder Sustainability Report, um über ihre laufenden Bemühungen zu informieren.

Das Problem ist, dass keiner der Begriffe eine eindeutige Definition mit sich bringt, welche Standards erfüllt werden müssen. So können Unternehmen mit dem Begriff Fair Fashion werben und dabei lediglich ökologische Faktoren berücksichtigen, ohne aber Standards für die Sozialverträglichkeit in der textilen Kette zu erfüllen. Hier gilt es bei der Wahl seiner Kleidung achtsam zu sein.

Eine ganzheitliche Betrachtung würde unserer Meinung nach folgende Faktoren berücksichtigen:[6]

Sozialverträglichkeit

Zielt in diesem Zusammenhang in erster Linie auf alle Arbeiterinnen und Arbeiter in der textilen Wertschöpfungskette ab. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, gilt es, unabhängig vom Produktionsland, als produzierendes Unternehmen Verantwortung für die folgende Bereiche zu übernehmen:

  • Sicherung der Existenz der Arbeiter*innen durch faire Löhne
  • Etablieren von Arbeitsschutzrechten zum Erhalt psychischer und physischer Gesundheit der Arbeiter*innen

Umweltschutz

Der Verzicht von synthetischen Chemiefasern sowie konventionell hergestellten Naturfasern wie Baumwolle, wobei zahlreiche Insekti- sowie Pestizide zum Einsatz kommen, kann bereits im erheblichen Maße zum Schutz der Umwelt beitragen.

Nachhaltiges Wirtschaften

Die Verantwortung aller, nachhaltige und kreislauffähige Wirtschaftskonzepte umzusetzen und anstelle von Schuldzuweisungen Lösungen zu etablieren. Oberstes Ziel ist, dass auch die nächsten Generationen von der Vielfalt unserer Natur profitieren können.

Nachhaltiger Konsum

Den eigenen Konsum hinterfragen und sich gelegentlich in Verzicht üben. Gleichzeitig beim Kauf auf hochwertige Textilien achten, die unter Berücksichtigung der vorangegangenen Faktoren produziert wurden. Textilisiegel können dich hierbei unterstützen.

 

Wie bereits erwähnt, wird es als problematisch angesehen, dass nicht jede Verwendung der Begriffe Fair Fashion, etc. diesen Faktoren vollumfänglich gerecht wird. Oftmals werden einzelne Aspekte herausgegriffen und dann ordentlich die Werbetrommel gerührt. Problematisch wird es vor allem dann, wenn mit Begriffen wie Nachhaltigkeit um sich geworfen wird, tatsächlich aber am Geschäftsmodell nicht verändert wird – Greenwashing ist hier das Stichwort.

Uns ist an dieser Stelle wichtig zu vermitteln, dass wir leider Unternehmen nicht blind vertrauen können, die sich mit Kampagnen wie #wearthechange oder einer eigenen Concious Collections schmücken.[7]

Der Wunsch nach Fair Fashion

Unternehmen nicht blind zu vertrauen, ist an dieser Stelle auch die perfekte Überleitung, weshalb unter anderem, der Wunsch nach Fair Fashion in den letzten Jahren so rasant zugenommen hat.

Mit Blick auf soziale Aspekte verhält es sich leider wie in den meisten Fällen: Erst durch ein Unglück werden Missstände aufgedeckt. Der Einsturz von Rana Plaza im Jahr 2013 aber auch jüngst die ausbleibenden Zahlungen von bereits produzierten Kleidungsstücken während der Corona Pandemie, sind hier als zwei Beispiele unter vielen zu nennen.[8] [9]

Aber auch die ökologischen Folgen in erster Linie verursacht durch Fast Fashion sind bei genauerer Betrachtung verehrend und medienwirksame Kampagnen wie von Greenpeace haben das Bewusstsein bei uns geschärft.[10] Grundsätzlich ist an dieser Stelle anzumerken, dass in den letzten Jahren das Thema Umweltschutz zu Recht viel mediale Aufmerksamkeit erhalten hat und bei vielen Menschen weiter in den Fokus gerückt ist.

Schreib uns gerne in die Kommentare, was dein Auslöser ist, sich mit Fair Fashion intensiver auseinanderzusetzen.

Unternehmen, die es ernst nehmen mit dem Anspruch, Fair Fashion zu produzieren haben ein mächtiges Werkzeug, um unser Vertrauen zu gewinnen – Transparenz.

Je transparenter ein Unternehmen seine textile Wertschöpfungskette offenlegt, umso höher das Vertrauen der Konsumenten.[11]

Die größten Herausforderungen von Fair Fashion

Je intensiver wir beide uns mit Textilien jeglicher Art und ihrer Herstellung auseinandersetzen, umso häufiger kommen wir zu folgendem Schluss:

„Wieso ist Fair Fashion nicht der Standard und Fast Fashion eine Randerscheinung?“

Betrachtet man die Auswirkungen von Fast Fashion ist diese Frage durchaus berechtigt.

Eine an der Hochschule Heilbronn durchgeführte Umfrage im Jahr 2020 zeigt, was unter anderem große Herausforderungen darstellen, die Fair Fashion ablegen muss, um sich als Standard zu etablieren.[12]

1. Nachhaltige Mode ist zu teuer

Ja, Fair Fashion Textilien sind im direkten Vergleich mit konventionellen Fast Fashion Produkten meist teurer.

Aber: Faire Kleidung muss nicht immer teuer sein! Zunächst  muss erwähnt werden, dass wir durch Fast und Ultra Fast Fashion den Bezug zu dem reellen Wert von Kleidung verloren haben. Ein T-Shirt, das 4,99 € kostet, kann beim besten Willen nicht unter verantwortungsvollen Bedingungen, allen voran einem angemessenen Lohn produziert worden sein.

Betrachten wir zudem die Haltbarkeit von konventioneller Mode sowie das Konsumverhalten, das sich durch ein Anhäufen von Kleidung auszeichnet zeigt sich, dass der bewusste Kauf von nachhaltiger Mode, in keiner Weise „teurer“ als der verschwenderische Konsum von Fast Fashion darstellt.

2. Die Auswahl von nachhaltiger Mode ist unzureichend

Obwohl die Auswahl an nachhaltigen Modelabels stetig wächst, sind wir ebenfalls der Meinung, dass aktuell die Auswahl in manchen Bereichen noch begrenzt ist. Mir ist es vor allem aufgefallen, als ich dieses Jahr einen Anzug kaufen wollte. Vor allem bei der Auswahl möchten wir dich ebenfalls mit Fairlier unterstützen und werden in Kürze auch damit starten, dass wir uns intensiv mit Fair Fashion Labels und deren Sortiment auseinandersetzen.

3. Eine verwirrende Kennzeichnung nachhaltiger Mode

Zahlreiche Textilisiegel von unabhängigen Siegelinhabern, eigene Siegel, die von Unternehmen geschaffen werden. Ja, das kann schnell für Verwirrung sorgen. Wir haben uns bei Fairlier für dich bereits durch den Siegeldschungel gearbeitet und eine Infografik zu den wichtigsten Textilsiegel erstellt.

Wenn ein Unternehmen noch nicht aufgeführt ist, dass dich interessiert, schreib uns einfach und wir werden mit dem Unternehmen in Kontakt treten.

Fair Fashion Literatur Empfehlung

Es macht uns unglaublich viel Spaß stundenlang im Internet zu recherchieren und die Auswahl an Fair Fashion Blogs ist gigantisch und facettenreich. Dennoch lieben wir es auch einfach mal, es uns mit einer Tasse Tee und einem Buch gemütlich zu machen und mehr über Fair Fashion zu erfahren.

Beim Stöbern durch verschiedene Buchläden ist uns aufgefallen, dass die Auswahl hier noch gar nicht so groß ist. Damit du auf keinen Fall die wahren Schätze übersiehst und auf tolle Autoren verzichten musst, haben wir dir im Folgenden drei Bücher aufgeführt, die wir zum Thema Fair Fashion in diesem Jahr gelesen haben und für empfehlenswert empfinden.

Stitched up: the anti-capitalist book of fashion – Tansy E. Hopkins

Dass sie nicht aus der Modeindustrie kommt und trotzdem darüberschreibt, wird ihr laut eigener Aussage von manchen Experten als Vorwurf ausgelegt. Sie selbst sieht es als Vorteil, um unverblümt über die Schwachstellen der Modeindustrie zu berichten. Und ja, das gelingt ihr.

Fashion Changers – Wie wir mit fairer Mode die Welt verändern können – Jana Braumüller, Vreni Jäckle & Nina Lorenzen

Der Fair Fashion Guide von Fashion Changers ist ein super Universalwerk, um sich einen Überblick über alle Facetten von Fair Fashion zu verschaffen. Das zweite Buch, das wir uns gekauft haben und wärmsten empfehlen möchten.

Die grüne Lüge – Katharina Hartmann

Aufmerksam geworden sind wir auf das Buch, als wir den gleichnamigen Film mit Werner Boote und Katharina Hartmann angeschaut haben. Fokus in diesem Buch liegt in erster Linie auf dem Thema Greenwashing und wie es in unterschiedlichsten Industrien vorangetrieben wird. Ein Kapitel wird dabei auch der Textilindustrie gewidmet. Die Aussagen in diesem Buch fanden wir unglaublich spannend und haben das Buch auch in unterschiedlichsten Artikeln auf Fairlier als Quelle genutzt.

FAQ

Was ist Fair Fashion?

Unter Fair Fashion versteht man grundsätzlich Textilien, die unter Berücksichtigung hoher sozialer und ökologischer Standards in Bezug auf die gesamte textile Wertschöpfungskette hergestellt wurden. Darüber hinaus wird Fair Fashion oftmals auch mit einem reduzierten Konsumverhalten in Verbindung gebracht.

Wie glaubwürdig ist Fair Fashion?

Es gibt keinen definierten Standard für Fair Fashion und weiter verwandte Begriffe wie nachhaltige Mode, etc.. Transparenz durch Modeunternehmen in Bezug auf ihre gesamte textile Wertschöpfungskette schafft Vertrauen und Glaubwürdigkeit.

Zudem können unabhängige Textilsiegel Vertrauen schaffen, vor allem kleinere Labels können sich diese Siege aber oftmals nicht leisten, verdienen aber dennoch unser Vertrauen.

Warum sollte man Fair Fashion kaufen?

Mit Fair Fashion im Textilbereich verhält es sich, wie mit dem Bio-Boom im Lebensmittelbereich. Während im Lebensmittelbereich bereits etabliert ist, dass für regionale Produkte mit hohen Standards ein fairer Preis zu bezahlen ist, muss im Textilbereich noch Aufklärungsarbeit geleistet werden.

Ein T-Shirt, das 4,99 € kostet kann beim besten Willen nicht unter verantwortungsvollen Bedingungen produziert worden sein. Daher lieber bewusst konsumieren und Ausschau nach Fair Fashion Textilien halten.

Warum ist Fair Fashion so teuer?

Fair Fashion ist nicht unbedingt teuer. Fast Fashion hat uns leider über die Jahre vermittelt, dass trendige Mode billig ist. Leider wurden hier soziale und ökologische Standards für eine lange Zeit extrem vernachlässigt.

Ein reduzierter Konsum und die bewusste Wahl von fairen Textilien führen demnach nicht zwingend zu Mehrkosten beim Kauf von Kleidung.

Quellen

  • [1] https://www.bpb.de/apuz/198384/wirtschaftsmacht-modeindustrie-alles-bleibt-anders?p=1
  • [2] https://greenwire.greenpeace.de/system/files/2019-04/s01951_greenpeace_report_konsumkollaps_fast_fashion.pdf
  • [3] https://www.mckinsey.com/~/media/mckinsey/industries/retail/our%20insights/the%20state%20of%20fashion%202020%20navigating%20uncertainty/the-state-of-fashion-2020-final.ashx
  • [4] https://fashionunited.de/nachrichten/einzelhandel/modekonsum-nach-der-pandemie-covid-19-ist-keine-einzelhandels-apocalypse/2020062936143
  • [5] https://fashionunited.de/nachrichten/business/gruene-mode-ein-verbrauchertrend-den-die-pandemie-verstaerkt/2020072236459
  • [6] https://www.greenstrategy.se/sustainable-fashion/seven-forms-of-sustainable-fashion/
  • [7] https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/werbung-von-hundm-cunda-und-zalando-wenn-nachhaltig-auf-dem-nicht-nachhaltigen-t-shirt-steht/24989482.html
  • [8] https://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/268127/textilindustrie-bangladesch
  • [9] https://www.workersrights.org/issues/covid-19/tracker/
  • [10] https://www.greenpeace.de/destinationzero
  • [11] https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/fair-trade-von-der-nische-zum-trend/
  • [12] https://fashionunited.de/nachrichten/business/gruene-mode-ein-verbrauchertrend-den-die-pandemie-verstaerkt/2020072236459